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Und plötzlich gibt es doch wieder Gulasch und Schnitzel: Mary Hecht und Jens Stiny bestücken im Akkord wieder das „Landhof-Standl“ im Untergeschoss der Schlössle-Galerie, das eigentlich bereits Geschichte zu sein schien. Foto: Ketterl
Und plötzlich gibt es doch wieder Gulasch und Schnitzel: Mary Hecht und Jens Stiny bestücken im Akkord wieder das „Landhof-Standl“ im Untergeschoss der Schlössle-Galerie, das eigentlich bereits Geschichte zu sein schien. Foto: Ketterl
11.01.2019

Verkauf geht doch weiter: Neue Hoffnung für „Landhof-Standl“ in Schlössle-Galerie

Pforzheim. „So schnell, wie wir weg waren, sind wir wieder da“, sagt Mitarbeiterin Mary Hecht und lächelt vergnügt, obwohl sie mit ihren beiden Kollegen einen außerordentlichen Kraftakt zu bewältigen hat an diesem Freitagvormittag. Über Nacht waren zum Jahreswechsel beim „Landhof-Standl“ im Untergeschoss der Schlössle-Galerie die Lichter ausgegangen. Das Aus des letzten klassischen Metzgerlädchens in Pforzheims City hatte für Trauer und Enttäuschung bei Kunden gesorgt und eine grundsätzliche Diskussion um die aktuelle Lage und die Zukunft des Fleischerhandwerks entfacht. Für alle Beteiligten und Beobachter kommt nun diese Wende vor Ort völlig überraschend, selbst für Jens Stiny, der das „Landhof-Standl“ als leitender Angestellter führt.

Infolge der Insolvenz seines Arbeitgebers seien er und die beiden Kolleginnen am Jahresende in den Zwangsurlaub geschickt worden. Man sei davon ausgegangen, sich nach einem anderen Arbeitsplatz umsehen zu müssen. Doch dann kam erst die positive Kunde und dann am Freitagfrüh frische Ware, die Stiny und sein Team umgehend einsortierten, ehe sie Schnitzel brieten, Salate zubereiteten und Kunden bedienten. „Kaum hatten wir aufgemacht, haben die Leute schon Wurst gekauft“, freut sich Stiny über die positive Resonanz: „Die meisten machen große Augen.“

Das dürfte auch die Verantwortlichen freuen, die derzeit alles für einen langfristigen Fortbestand der „Landhof-Standl“ geben. Wie berichtet, hatte zunächst im Oktober des vergangenen Jahres die Landhof Konzept GmbH Insolvenz angemeldet. Einige der Filialen gingen danach an die von Theo Pozsgai geführte A.T. Handels- und Beratungs GmbH über. Doch Ende November kam Pozsgai als Beifahrer bei einem Verkehrsunfall ums Leben, was im Dezember auch zur Insolvenzeröffnung von A. T. führte. Nach diesem „tragischen Unglücksfall“ sei „direkt niemand mehr da, der den Betrieb weiterführen kann“, bedauert der Landshuter Fachanwalt und vorläufige Insolvenzverwalter Marcus Göbel im PZ-Gespräch. Wohl Ende dieses Monats werde das Hauptverfahren öffnet.

Um einer Marke nicht unheilbaren Schaden zuzufügen, sei es sinnvoll, potenziellen Interessenten die Möglichkeit zu geben, den Betrieb bis dahin auf eigenes Risiko zu führen, erläutert Göbel. Es handele sich um eine Übergangslösung, die der Zustimmung des jeweiligen Vermieters bedürfe. Die Leitung der Schlössle-Galerie hat also ihren Segen gegeben.

Jenes Unternehmen, das Landhof Zukunft geben will, ist ein langjähriger Lieferant: die Metzgerei Zachskorn aus Aldersbach in Niederbayern. Er strebe an, alle der aktuell noch neun „Landhof-Standl“ in Bayern und Baden-Württemberg zu erhalten und mit dem gesamten Personal zu übernehmen, sagte Ludwig Zachskorn auf PZ-Nachfrage.

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