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10000 bis 20000 minderjährige Prostituierte gibt es in Deutschland.
10000 bis 20000 minderjährige Prostituierte gibt es in Deutschland © dpa
02.01.2015

Verkaufte Unschuld: Pforzheimerin will "erstes Mal" versteigern

Der Münchner „Tatort“, in dem sich Minderjährige im Internet anboten, schreckte am Sonntag viele Eltern auf. In Deutschland leben bis zu 20 000 Prostituierte unter 18 Jahren. Doch weder die Öffentlichkeit noch die Polizei wissen viel über sie. Eine junge Pforzheimerin wollte nun sogar ihr erstes Mal versteigern.

Die Anzeige im Internet ist eindeutig. Und doch offenbart sie noch nicht die ganze Wahrheit. „Versteigere meine Jungfräulichkeit“, schreibt dort eine Pforzheimerin. Braune Haare, schlank, 1,61 Meter groß, Nichtraucherin. Zwei E-Mails und ein Gespräch später wird deutlich: Die Pforzheimerin, die hier ihr erstes Mal verkauft, ist erst 14 Jahre alt.

Als vor einer Woche im Münchener „Tatort“ 14-Jährige gezeigt wurden, die Bilder von sich im Internet verkauften, schreckte das viele Erwachsene auf. Gibt es das auch in der Realität? „Dass Jugendliche eine eigene Homepage betreiben und sich darüber anbieten, ist nach meinen Erkenntnissen nicht so weit verbreitet“, sagt Johannes-Wilhelm Rörig, Unabhängiger Beauftragter für Fragen des sexuellen Kindesmissbrauchs. Die meisten Kontakte entstünden über Portale wie Facebook oder WhatsApp. Und doch kommt auch das „Tatort“-Modell vor, sagt Gaby Goebel-Andreas, Internetkriminalitäts-Expertin an der Polizeiakademie Hessen: „Es gibt zum Beispiel Websites, auf denen Jugendliche nicht nur monatliche Abos mit Zugängen zu intimen Fotos, sondern auch Services wie das Versenden von getragenen Slips anbieten.“

Weshalb genau sie sich zur Ware macht, kann die Pforzheimerin nicht sagen. Lauernde Gefahren schiebt das Mädchen beiseite. „Was soll schon passieren?“, fragt sie. „Ich will den Sex ja." Vor anderen Dingen hätte sie mehr Angst. Und doch stecken trotz aller Naivität in ihren Berichten Erklärungsansätze, die auch Psychologen nennen – und von denen vor einem Jahr auch die Illingerin Lisa Müller immer wieder sprach. Mit 14 Jahren traf sie ihre ersten Freier, mit 20 Jahren schrieb sie ein Buch darüber. „Ich wollte Aufmerksamkeit, Bestätigung und Geld“, sagte Müller damals. „Es geht nicht nur um Geld und Geschenke“, hat auch  Rörig beobachtet. „Denn betroffene Kinder kommen – dies zeigt der ARD-’Tatort’ eindrücklich – aus allen Schichten.“

Betroffene und Angehörige finden unter www.hilfeportal-missbrauch.de und der Nummer (0800) 22 55 530 Hilfe. Unterstützung in Sachen Löschung und Strafverfolgung gibt es unter www.internet-beschwerdestelle.de und www.jugendschutz.net.


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