Viele Rätsel bei Prozess um Haidach-Schießerei

Pforzheim. Zwei Brüder müssen sich seit gestern vor der Jugendkammer in Pforzheim verantworten. Den 19-jährigen und 27-jährigen Angeklagten wird versuchter Totschlag vorgeworfen. Allerdings könnte die Wahrheitsfindung schwierig werden – der erste Verhandlungstag sorgte bei der Kammer um den Vorsitzenden Richter Eric Werner und Oberstaatsanwalt Harald Lustig immer wieder für Kopfschütteln. Denn sowohl der 25-jährige Geschädigte als auch die Zeugen hatten in ihren Beschreibungen große Erinnerungslücken und widersprachen sich zum Teil.

Am 4. Juni des vergangenen Jahres soll es im Haidach gegen 17.15 Uhr an der Bushaltestelle „Leipziger Straße“ zu einer Auseinandersetzung zwischen dem 19-jährigen Angeklagten und dem 25-jährigen Geschädigten gekommen sein. Hierbei soll der 19-Jährige seinen älteren Bruder um Hilfe gerufen haben. Als dieser eintraf, soll der Jüngere dem Opfer einen Kopfstoß versetzt und mit einem Messer zugestochen haben. Sein acht Jahre älterer Bruder soll mindestens zwei Schüsse mit einem Revolver abgegeben und dabei ein parkendes Auto getroffen haben. Der Geschädigte erlitt Verletzungen im Arm- und Hüftbereich.

Aussagen zum Sachverhalt wollten die Brüder nicht machen. In ihren persönlichen Angaben betonten beide das gute Verhältnis zueinander. Während der Jüngere in Deutschland geboren ist, stammt der Ältere aus Kasachstan und stand zuletzt kurz vor einer Karriere als professioneller Kampfsportler. „Ich habe ein großes Verantwortungsbewusstsein für meinen Bruder“, betonte er.

Während die Brüder sich darüber hinaus in Schweigen hüllten, hinterließen der Geschädigte und die Zeugen einige Rätsel. Mit drei Freunden, so der Geschädigte, wollte er nach Hause fahren. Als er den 19-Jährigen an der Bushaltestellte gesehen hatte, wollte er mit ihm reden. Trotz mehrfacher Nachfrage konnte der Vorsitzende Richter Werner nicht entlocken, um was es bei dem Gespräch genau ging. „Ich wollte mit ihm unter vier Augen reden“, wiederholte der Geschädigte. Plötzlich sei es dann zum Kopfstoß gekommen und später sei er im Krankenhaus aufgewacht. Werners Laune verbesserte sich nicht, als der erste der drei Freunde berichtete, dass er damals keine Kontaktlinsen trug und deshalb keine Personen erkannte. Der zweite Zeuge erinnerte sich zwar an die Brüder,  aber ließ mit der Aussage, dass es ihm egal sei, was passierte, die Jugendkammer fragend zurück. Schließlich konnte sich der dritte Zeuge nicht an die Schüsse erinnern und behauptete, sein Wissen über die Tat aus der Zeitung zu haben. „Es ist merkwürdig, etwas real erlebt zu haben, und dann von Zeitungsartikeln zu erzählen“, kommentierte Werner.

Der Prozess wird am 29. Januar fortgesetzt.