Die Partner des Gründertags: Tobias Nellinger, Thomas Eitel, Jörg Fuchs, Anja Maisch, Rebekka Sanktjohanser, Jan Lang (hinten), Kenan Hörsch, Marcel Ihle (hinten), Rafy Ahmed, Fabian Böhm, Markus Schwarz und Peter Boch. Foto: Roller
Rafy Ahmed (links) erzählt Interessierten mehr über sein Modelabel „Morotai“. Foto: Roller
Angeregtes Gespräch: Radoslaw Zgolik (links) informiert sich bei Marcel Ihle von NewMediamix. Foto: Roller
Pforzheim
Viele Teilnehmer beim Gründertag von IHK, HWK und Sparkasse
  • Nico Roller

Pforzheim. Rafy Ahmed hat geschafft, wovon viele träumen: Voriges Jahr gründete er zusammen mit drei Partnern das Modelabel „Morotai“. Seit dem Auftritt bei der „Höhle der Löwen“ ist das Birkenfelder Start-Up-Unternehmen schnell gewachsen. Mittlerweile wird die von ihm produzierte Sportbekleidung bei unzähligen Händlern angeboten. Im vergangenen Jahr lag der Umsatz von „Morotai“ bei mehr als einer Million Euro.

Über das Gründen habe er sich nie bewusst Gedanken gemacht, sagte Ahmed am Samstag beim Gründertag im Pforzheimer Energieberatungszentrum. „Ich fand es einfach cool, etwas Eigenes zu starten.“ Den rund 40 Teilnehmern der von IHK Nordschwarzwald, Sparkasse Pforzheim Calw und Handwerkskammer Karlsruhe organisierten Veranstaltung gab der erfolgreiche Unternehmer einige Tipps an die Hand für den Einstieg in die Selbstständigkeit: Etwa herauszufinden, wo die eigenen Stärken liegen und sich mit Partnern zusammenzutun, die diese ergänzen. Denn auch wenn man nicht alles allein macht, bleibt mehr als genug Arbeit übrig.

„Man macht sich nicht einfach selbstständig und der Rubel rollt“, sagte Fabian Böhm, der vor vier Jahren einen eigenen Akustikbetrieb in Pforzheim eröffnet hat. 60 bis 80 Stunden arbeite er pro Woche, erzählte der 36-Jährige: „Ich lebe den Beruf Vollgas.“ Da brauche es Familie und Freunde, die hinter einem stehen. Rückblickend sei die Standortfrage für ihn das Wichtigste gewesen, sagte Böhm. Denn in Pforzheim gab es in seiner Branche bereits einige Konkurrenten.

Von langen Arbeitszeiten berichtete auch Jan Lang aus Neuenbürg, der sich erst vor kurzem mit seiner Firma „Lang Life Science“ selbstständig gemacht hat. Er warnte die Teilnehmer vor „Alleinmacheritis“ und empfahl, unbedingt einen Businessplan zu erstellen. Die passende Hilfestellung dazu hatte zuvor Tobias Nellinger geliefert. Der Steuerberater und Wirtschaftsprüfer der dhmp Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsgesellschaft erklärte, der Businessplan sei besonders wichtig, denn er bringe den Unternehmer zu einer kritischen Auseinandersetzung mit dem eigenen Produkt.

Der Experte klärte außerdem über die Vor- und Nachteile verschiedener Rechtsformen auf und ließ deutlich werden: Die Rechtsform hängt von der Finanzplanung und den zu erwartenden Haftungsrisiken ab. Erst nach eingehender Betrachtung aller Chancen und Risiken kann sie gewählt werden. Ist das geschehen, ist das Unternehmen gegründet, muss es auf sich aufmerksam machen.

Wie das geht, wusste Marketing-Experte Marcel Ihle. „Ihr müsst schauen, wie Ihr Eure Kunden erreicht“, sagte der Geschäftsführer des PZ-Tochterunternehmens NewMediamix zu den Teilnehmern. Das im Innotec angesiedelte Start-Up-Unternehmen bietet maßgeschneiderte Lösungen im Online-Marketing an. Denn erfolgreiches Marketing muss heute ganz andere Felder bespielen als noch vor einigen Jahren: Die Menschen seien heute vorwiegend auf Mobilgeräten wie Smartphones oder Tablets im Internet unterwegs, sagte Ihle. Weil dort die Aufmerksamkeitsspanne geringer ist, müsse die Kommunikation „auf den Punkt“ sein.

Viele Fragen müsse man sich stellen, etwa zum Zielmarkt, zu den Vorstellungen des Kunden, zur Abgrenzung von den Mitbewerbern und zur technischen Umsetzung. Der Geschäftsführer klärte die Teilnehmer über die Vor- und Nachteile verschiedener Medienkanäle auf, etwa über Landingpages und Microsites, über Suchmaschinen-Marketing und soziale Netzwerke. „Probiert es einfach aus.“ Aber: Sich Ziele zu setzen und Erfolgskennzahlen festzulegen, sei wichtig. „Wenn ihr kein Erfolgscontrolling habt, wisst Ihr nicht, was aus Eurem Werbe-Euro wird.“