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Die Ausbildung fordert von Johanna volle Konzentration – egal, ob sie gerade im Außeneinsatz ist oder ihre Waffe entlädt. Fotos: Ruf
Johannas Leben außerhalb der Polizei: Am liebsten verbringt sie Zeit mit ihrem Mann, mit dem sie seit über zehn Jahren zusammen ist, geht wandern oder trainiert. Foto: Privat
27.07.2018

Vom Bürostuhl in den Streifenwagen: Johanna Vilhès ist Azubi des Monats Juli

Pforzheim. Johanna Vilhès absolviert eine Ausbildung zur Polizeibeamtin im Mittleren Vollzugsdienst bei der Polizei in Pforzheim. Gerade einmal 27 Jahre alt ist sie, doch die Liste ihrer beruflichen Stationen ist lang: Ausbildung zur Bürokauffrau, Ausbildung zur Zollsekretärin, Job bei der Finanzkontrolle Schwarzarbeit beim Hauptzollamt Stuttgart.

Jetzt ist Johanna Vilhès angekommen – bei der Polizei, genau wie ihr Vater. „Da wollte ich schon immer hin“, strahlt die 27-Jährige, die endlich ihren Traum leben kann. Bereits 2010 hatte sie sich bei der Polizei beworben, doch damals klappte es nicht beim Einstellungstest. Aufgrund einer 5-Jahres-Sperre (in diesem Zeitraum durfte sie sich nicht erneut bewerben) musste erst einmal Plan B her. Hier begann ihr Weg über zwei Ausbildungen. Der Job beim Zoll habe ihr Spaß gemacht, doch es gab ein großes Manko. „Ich hatte nicht das Gefühl, jemandem zu helfen – doch genau das wollte ich“, erklärt die junge Frau. Also versucht sie es erneut beim Polizeipräsidium Karlsruhe, gibt alles – und ist erfolgreich.

Johanna Vilhès ist bei der Polizei und Azubi des Monats Juli

Der Wechsel war nicht einfach, in vielerlei Hinsicht musste sie sich umgewöhnen. Bei der Polizei werden beispielsweise andere Waffen benutzt. Derzeit ist Vilhès in ihrem zweiten Ausbildungsjahr, dem Praxisjahr. Dabei durchläuft sie verschiedene Bereiche, gewinnt Einblicke in unterschiedliche Aufgabengebiete, ist im Streifendienst im Außeneinsatz oder im Tagesermittlungsdienst zur Bearbeitung diverser Fälle. Ihre neuen Kollegen hätten sie sofort freundlich aufgenommen, auf sie kann sie sich immer verlassen – ein Muss im Außendienst, denn im Einsatz ist die Kommunikation und das Vertrauen zum Partner das A und O.

Schmerzhafte Seite des Traumjobs

„Das Schönste am Polizeiberuf ist, dass man Menschen das Gefühl geben kann, dass man für sie da ist“, sagt Vilhès. Meistens gehe sie abends mit der Einstellung „Heute war ein guter Tag“ nach Hause. Klar, es gibt sie – die Schattenseiten des Jobs. Schlägerei, Unfall, Einbruch: Bei jedem Einsatz erwartet die Pforzheimerin eine andere Situation. „Das Wichtigste, aber auch Anspruchsvollste ist es, in kürzester Zeit die Verhältnismäßigkeit abzuschätzen und die entsprechenden Maßnahmen zu treffen.“ Immer wieder titelt die Zeitung „Widerstand bei Festnahme“. Genau bei einem solchen Einsatz war es, als die 27-Jährige einen heftigen Tritt abbekam. Schmerzhaft war es, doch man müsse sich vorab bewusst machen, dass so etwas passieren kann. Persönlich nehme sie es nicht: „Die Aggression ist gegen meine Uniform, meine Funktion gerichtet und nicht gegen mich.“

Bildergalerie: Einblick in das Leben von Johanna Vilhès bei der Polizei

Und während PZ-Redakteure entsetzt die Nasen rümpfen, als Johanna Vilhès ihnen die Zellen der Polizeistation zeigt, winkt die nur ab: „Das ist noch gar nichts. Am Sonntagmorgen – nach einer durchzechten Nacht mit viel Alkohol – riecht es viel schlimmer.“ Ihren Ausgleich findet sie im Sport, bei Squash, Krafttraining oder Laufen, und zu Hause bei ihrem Ehemann. Ob der sich Sorgen um sie mache? „Immer“, lacht Vilhès. Und doch ist sie nach einem langen Weg endlich angekommen in ihrem Traumjob: „Ich weiß, ich kann keinen Weltfrieden herbeiführen, aber vielleicht ein kleines Stück dazu beitragen – das genügt mir schon.“

Drei Fragen an Markus Bluhm, Praxisausbilder bei der Polizei Pforzheim: Was muss Ihr perfekter Azubi mitbringen?

1. Was macht man als Polizeibeamter im Mittleren Vollzugsdienst?

Das Aufgabenspektrum der Polizei ist vielfältig. Polizeivollzugsbeamte im Mittleren Dienst kümmern sich in den Dienststellen in erster Linie um den Wach- und den Streifendienst und haben vor allem die Aufgabe, für Recht und Ordnung zu sorgen.

2. Welche schulischen Voraussetzungen braucht man für die Ausbildung?

Es gibt zwei Ausbildungsmöglichkeiten: Zum einen den Mittleren Polizeivollzugsdienst, dafür reicht eine mittlere Reife aus. Zum anderen gibt es eine Ausbildung mit dualem Studium, für die man die Fachhochschulreife oder das Abitur benötigt.

3. Welche Eigenschaften sollte Ihr perfekter Azubi mitbringen?

Man muss quasi eine „weiße Weste“ haben, darf also nicht mit dem Gesetz in Konflikt gekommen sein. Das andere Thema ist Fitness, dass man kerngesund, körperlich fit und sportlich ist. Wichtig ist außerdem, dass man gerne mit Leuten zusammen ist, nicht kontaktscheu ist und gerne Bewegung und Action hat.