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Szenen einer Razzia: Beamte der Beweissicherungs- und Fest nahmeeinheit (BFE) machen sich an der Garage des Hauptquartiers der „Hells Angels“ in der Nordstadt zu schaffen. © Seibel
15.12.2010

Von wegen cool: Gewalt zwischen Hells Angels und United Tribuns verunsichert Jugendliche

Ein eisiger Wind fegt durch die Stadt, und das liegt nicht nur am aktuellen Tiefdruckgebiet, das von Südosten kam. Sondern an der Polizei. Da blies es am Montag aus so ziemlich allen Himmelsrichtungen, und es wehte die Türen und Fenster von über zwei Dutzend Wohnobjekten der „Hells Angels“ auf, vorwiegend in Pforzheim.

Bildergalerie: Das Vereinsheim der Hells Angels an der Karolingerstraße in Pforzheim wurde von der Polizei durchsucht - 1

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Man könnte den Tiefs auch den Namen der Rocker-Gang oder der rivalisierenden Türsteher-Clique „United Tribuns“ geben. Denn der Polizeieinsatz hatte seinen tieferen Grund: den eskalierenden Streit, um nicht zu sagen Kampf der Gruppierungen. Es geht um Macht und Geld, Eitelkeiten und Einfluss. Und das bleibt nicht ohne Auswirkungen auf die Kinder und Jugendlichen, die bis vor Kurzem gerne als Nachwuchs zu den „Tribuns“ stoßen wollten. Dass sich unter den Jugendlichen in Pforzheims Stadtteilen der Banden-Nachwuchs breit machte, war seit längerem zu beobachten. Die „Black Jackets“, eine andere Gang, hat ihren Möchtegern-Nachwuchs zurückgepfiffen.

Eltern verunsichert

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„Die Eltern lassen sie zum Teil nicht mehr aus dem Haus“, sagt Hartmut Wagner, Geschäftsführer der Stadtjugendring GmbH, „auch die Jugendlichen selbst sind verunsichert und verängstigt.“ In der Szene wird kaum über die Ereignisse gesprochen, nicht nach der Massenschlägerei am 27. November auf dem Parkplatz beim Güterbahnhof.

Nicht über den mutmaßlich gezielten Schuss eines „Angel“ auf einen „Tribun“. Nicht nach dem Brandanschlag auf ein Bordell in Bruchsal, das von Ermittlern in die Nähe der „Hells Angels“ gerückt wird. Nicht nach den angeblichen Mordplänen der „Hells“ gegen zwei führende „Tribuns“. Nicht nach der Großrazzia am Montag.

Verdächtige Ruhe

Die einen Jugendlichen schweigen, weil sie dabei waren; die anderen, weil sie nicht zwischen die Fronten geraten wollen. „Wenn so viel Ruhe ist“, sagt Wagner, einer der erfahrensten Sozialarbeiter der Stadt, „ist das ein Zeichen dafür, dass die Lage sehr ernst genommen wird.“ Umgekehrt: Je lauter das Geschnatter, desto harmloser die Substanz. Blase statt Inhalt.

Kenner der Szene hoffen, dass das Tiefdruckgebiet auf Pforzheim begrenzt bleibt und sich langsam auflöst. „Es wäre verheerend, wenn von außen Einfluss genommen würde“, befürchtet ein Insider. Es würde wirken wie ein Brandbeschleuniger. Das wissen auch Polizei und Staatsanwaltschaft. Deshalb haben sie auch alle Messstationen besetzt. Es gilt erhöhte Wachsamkeit.

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