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Zum Glück nur gestellt: PZ-Praktikantin Chantal Augello zeigt an der Bahnhofstraße, was vielerorts in der City zu beobachten ist. Passanten haben nur Augen und Ohren für ihr Handy und gehen damit im Straßenverkehr ein hohes Risiko ein.  Foto: Meyer 

Vorsicht, „Smombies“! Handy lenkt Fußgänger ab – Busfahrer gefordert

Pforzheim. Mutterseelenallein steht der Jugendliche mit gebeugtem Kopf an der Haltestelle auf dem Rodrücken. Weder das Brummen des Motors noch das Zischen beim Öffnen der Tür dringt zu ihm durch. Erst als der Fahrer hupt, bemerkt der Wartende, dass da ein Bus der Linie 11 vor ihm steht – keinen halben Meter von seiner Nasenspitze entfernt.

Ohne den Hinweis wäre er an der Vogesenallee zurückgeblieben und hätte bis zum nächsten Elfer weitere 40 Minuten ausharren müssen.

Diese morgens an einem Werktag beobachtete Szene unterstreicht, wie sehr Smartphones die Besitzer in ihren Bann ziehen können. Ein Busfahrer berichtet im PZ-Gespräch, mit welch mulmigem Gefühl er zuweilen durch die Straßen und eigentlich immer über den Leopoldplatz fährt: überall aufs Handy starrende Passanten, die kreuz und quer einfach draufloslaufen. „Wie die Zombies“, sagt der Fahrer. Er und seine Kollegen müssten stets wachsam sein und mit allem rechnen.

Sandra Schönherr, die hiesige Standortleiterin von Südwestbus, und auch die Polizei wissen um das Problem und die damit verbundenen Gefahren. Schönherr spricht von einem „Alltagsphänomen, das immer deutlicher sichtbar“ werde. Regelmäßig meldeten ihre Fahrer solche Beobachtungen – nicht nur bei jungen Leuten. „Viele Menschen blenden ihre Umwelt komplett aus“, sagt Schönherr. Wer nur das Smartphone im Blick habe und sich zudem noch via Kopfhörer beschallen lasse, sei im Bezug auf das jeweilige unmittelbare Umfeld quasi „blind und taub“, also im Wortsinn gehandicapt.

Gerade auf dem Leo, wo Passanten ohnehin „alle möglichen Querverbindungen“ von einer zur anderen Seite nutzten, seien die Herausforderungen für ihre Kollegen groß, weiß Schönherr, die zuweilen selbst am Steuer eines Linienbusses sitzt. Einmal sei ein derart abgelenkter Fußgänger gegen einen stehenden Bus gelaufen – ein Vorkommnis, das man noch mit einem „leichten Schmunzeln“ hinnehmen könne, denn bislang sei „zum Glück noch nichts ganz Schlimmes“ passiert. Doch das Risiko eines weniger glimpflichen Ausgangs sei hoch – nicht nur für den jeweiligen Passanten. „Wenn ich scharf bremsen muss, habe ich im Bus ein Problem“, verweist Schönherr auf Verletzungsgefahren auch für die Fahrgäste.

„Man vergisst die Welt drumherum“, beschreibt Polizeisprecherin Sabine Doll den möglichen Einfluss von Filmchen, Spielen oder Nachrichten, die über den Bildschirm des Handys flimmern.

Nicht ohne Grund ist „Smombie“ bereits im Jahr 2015 zum „Jugendwort des Jahres“ gewählt worden. Es ist ein Mix der Begriffe „Smartphone“ und „Zombie“. Wer nur aufs kühl leuchtende Display starrt, wirkt nicht nur wie ein Untoter, er bringt auch rasch sich und andere in Gefahr.

Deshalb gibt es mehrere Ansätze, um der Gefahr durch „Smombies“ im Straßenverkehr zu begegnen. So installierten etwa die Städte Augsburg und Köln Bodenampeln, um nach unten Blickende auf das droben leuchtende Rot hinzuweisen. Weitere Lösungsvarianten sind digitale Helferlein. So soll etwa die App „Smombie Guard“ insbesondere Kinder vor Unfällen durch Unachtsamkeit schützen, indem sie die Benutzung des Smartphones beim Gehen blockiert.

Getüftelt wird auch an Frühwarnsystemen. Die ZF Friedrichshafen AG sorgt im Wortsinn mit „X2 Safe“ für Aufsehen. Dieses System des Automobilzulieferers soll mit Fahrzeugen, Smartphones und -watches kommunizieren, um Autofahrer, Passanten und Radfahrer vor drohenden Kollisionen zu warnen.

Und dann sind da noch Apps wie „Transparenter Bildschirm“: Während der spazierende „Smombie“ tippt oder surft, filmt seine Handykamera die Straße und blendet auf dem Display den Weg ein.

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