Pforzheim. Mit vielen Schutzmaßnahmen und großer Behutsamkeit haben Buchhandlungen und kleinere Läden in Pforzheim wieder geöffnet. Verkäufer und Kunden freuen sich aufeinander. Doch der Weg zur Normalität ist weit.

Erster Tag nach Lockerungen im Einzelhandel: Eindrücke aus Pforzheim
Viele Stunden, sagt Nicole Kälber, mit ihrem Bruder Dirk Geschäftsführerin von Intersport Schrey, habe sie im Vorfeld mit ihrer Mannschaft alles klar gemacht für den Neustart an diesem Montag für Geschäfte mit bis maximal 800 Quadratmetern Verkaufsfläche: Absperrband gespannt, Spuckschutz-Scheiben fürs Personal an der Kasse angebracht, Markierungsstreifen auf dem Boden des rund 600 Quadratmeter großen Sportgeschäfts verlegt, Ständer im Eingangsbereich für Desinfektionsspray aufgestellt, Einmal-Mundschutz ausgelegt für ihr Team zum Verteilen, kein Zwang, aber ein Appell an die Kundschaft.


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Kein Konkurrenzdenken im Pforzheimer Einzelhandel
„Die Leute wollen raus“, sagt Kälber. Wenigstens etwas. Erst hatten die Sportartikelverkäufer wie Hersteller mit Fokus auf den Skisport mit dem ausbleibenden Winter zu kämpfen, dann mit Corona. Noch härter trifft es – wie in der City Intersport-Elsässer in der Schlössle-Galerie – die, deren Verkaufsfläche zu groß ist, um von der Öffnung schon zu profitieren. „Da gibt es kein Konkurrenzdenken“, so Kälber, „man fühlt mit den Kollegen.“

Nicht an die 800-Quadratmeter-Regelung gebunden sind Buchläden, Thalia etwa. Am Einlass werden Kärtchen ausgegeben, die beim Verlassen der Buchhandlung wieder zurückgeben werden – eine Zugangskontrolle, wie sie in Variation auch in anderen Geschäften praktiziert wird. „Wir haben natürlich unsere Kundschaft vermisst“, sagt Judith Mönch, die stellvertretende Filialleiterin.
Online-Verkauf floriert bei Buchhandlung
Buchhändler Uwe Mumm hat mit seinem Geschäft in Dillweißenstein eine lebhafe Wiedereröffnung. „Trubelig“, beschreibt er selbt den Montagvormittag. Doch auch die vergangenen Wochen waren nichht ohne. Sein Online-Verkauf florierte: „Wir hatten ein Weihnachtsgeschäft.“ Angesichts der langen Lieferzeiten der großen Internet-Buch- und sonstigen Händler war offenbar das Angebot kleinerer, örtlicher Handlungen entdeckt worden. „Am Spitzentag hatten wir 170 Lieferungen im Stadtgebiet, wir waren mit drei Fahrzeugen unterwegs“, berichtet Mumm.
In den Geschäften an der Dillsteiner Straße trägt an desem ersten Eröffnungstag die Mehrzahl einen Mundschutz. Im Einzelfall gibt es diese schützende Vorrichtung sogar aus eigener Herstellung: Schneiderin Vera Pasalic hat die vergangenen vier Wochen Schließung unter anderem dafür genutzt, mehrere Dutzend Mundschutze aus Stoff zu nähen, die sie fast ausnahmslos an ihre Kundschaft verschenkt. Auf Bestellung – und zu einem Preis von sechs Euro – sind sie bei ihr erhältlich.
Kunden warten auf der Straße
Davon abgesehen ist sie froh, dass die vierwöchige Zeit der Schließung und des Verdienstausfalls für sie vorüber ist, und ihre Kunden sind das auch: Immer wieder warten Menschen vor dem Atelier auf der Straße, um eingelassen zu werden und etwa eines der geänderten Kleidungsstücke in Empfang zu nehmen, die auf Bügeln zur Abholung parat hängen. „Das Tragen einer Maske wird empfohlen“, heißt es auch auf einem Schild an der Eingangstür des Musikhauses Schlaile. „Dank der Loyalität unserer Kunden haben wir die Zeit einigermaßen überstnden“, sagt Geschäftsführer Karlheinz Pfeiffer. Diese hätten den Online-Einkauf genutzt oder per E-Mail sowie telefonisch Einkäufe getätigt. Aber natürlich habe auch sein Geschäft Einbußen zu verzeichnen, und so seien alle froh, dass an diesem Morgen gleich mit einigen Kunden der Geschäftsbetrieb wieder losgeht.
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