Peggi Rudischhauser weiß, was im Wald wächst: In den Sozialen Medien begeistert sie die Menschen für die Welt der Pilze.
Rudischhauser
Pforzheim
„Vorsicht ist keine Spaßbremse“: Pilzexpertin verrät in Pforzheim, worauf es beim Sammeln ankommt

Pforzheim. Wer an Pilze denkt, denkt an den Herbst. Peggi Rudischhauser weiß es besser. Sie ist das ganze Jahr unterwegs – selbst dann, wenn andere bei einem Pilzkorb im Januar die Augenbrauen hochziehen. Warum im Wald immer Saison ist, weshalb Anfänger ausgerechnet im Winter gute Chancen haben und warum der schönste Fund manchmal besser stehen bleibt, erzählt die Pilzexpertin im PZ-Interview. Am 29. September stellt sie ihr Buch „Gibt’s denn schon Pilze? Durchs Jahr mit Moos, Myzel und magischen Naturmomenten“ im PZ-Autorenforum vor.

PZ: Frau Rudischhauser, die Frage Ihres Buchs, das Sie am 29. September im PZ-Autorenforum vorstellen, lautet: „Gibt’s denn schon Pilze?“ – Was antworten Sie jemandem, der im Januar mit hochgezogener Augenbraue auf Ihren Pilzkorb schaut?

Peggi Rudischhauser: Soll ich jetzt wirklich schon die Antwort vorwegnehmen und damit ein wenig spoilern? Ich denke, das kann ich riskieren: Es gibt immer Pilze.

Viele Menschen denken bei Pilzen sofort an Herbst, Steinpilze und volle Körbe. Wer das ganze Jahr hinschaut, entdeckt aber eine viel größere, unheimlich interessante Pilzwelt.

Sie schreiben, dass Sie früher selbst gedacht hätten: Pilzesammeln im Winter – da muss jemand die falschen Mushrooms genascht haben. Welche Winterpilze kann man tatsächlich finden – und warum ist der Winter für Anfänger gar nicht so schlecht?

Mittlerweile weiß ich es besser und bin das ganze Jahr unterwegs. Im Winter ist die Auswahl überschaubarer. Gerade deshalb kann diese Jahreszeit für Einsteigerinnen und Einsteiger sehr angenehm sein: Es gibt weniger Arten und damit auch weniger mögliche Verwechslungspartner.

Ein wunderbares Beispiel ist der Austernseitling. Das ist ein toller Speisepilz: ultrahübsch, dickfleischig und wunderbar würzig.

Was ist gefährlicher: gar keine Ahnung vom Pilzesammeln zu haben – oder ein bisschen Ahnung und sehr viel Selbstvertrauen?

Gefährlich können beide Varianten sein – jedenfalls dann, wenn man Pilze zum Essen sammeln möchte. Beim Pilzesammeln darf man nicht raten. Man sollte ganz genau wissen, was im Körbchen landet, und sich bei einer Bestimmung wirklich sicher sein.

Je tiefer man in die Pilzwelt eintaucht, desto deutlicher wird einem, wie viele Doppelgänger und Fallstricke es gibt. Deshalb mein Rat: Lieber klein anfangen. Sucht euch ein, zwei oder maximal drei Speisepilzarten aus, die ihr wirklich in- und auswendig kennenlernt – mitsamt ihren möglichen Verwechslungspartnern.

Welche Pilzregel klingt langweilig, kann aber im Zweifel den Abend retten – oder das Abendessen?

Die vielleicht langweiligste, aber zugleich wichtigste Pilzregel lautet: „Iss nur Pilze, die du zu 100 Prozent selbst und ohne technische Hilfsmittel als Speisepilze erkennen kannst.“

Apps oder KI können neugierig machen und beim Nachschlagen helfen. Für die sichere Speisepilzbestimmung sind sie aber keine verlässliche Grundlage.

Sie erzählen von Pilzfreud und Pilzleid – etwa wenn ein ersehnter Fund plötzlich schon von jemand anderem abgeerntet wurde. Wie viel Jagdfieber steckt im Pilzesammeln?

Dieses spezielle Kribbeln kenne ich natürlich trotzdem sehr gut. Wenn ich am Straßenrand Autos stehen sehe und weiß: Da sind Leute im Wald unterwegs und suchen Pilze, dann bekomme ich durchaus leichtes Nervenflattern. Sofort meldet sich die Pilz-FOMO – (Fomo=Fear of Missing Out). Und ich hoffe dann, dass mir nicht gerade ein schöner Fund vor der Nase weggeschnappt wird!

Welcher Pilz-Fakt klingt wie ausgedacht, ist aber wahr?

Es gibt in der Pilzwelt so viele Dinge, die klingen, als hätte sie sich jemand bei einem besonders wilden Science-Fiction-Abend ausgedacht. Aber einer meiner Lieblingsfakten ist dieser: Als einer der größten bekannten lebenden Einzelorganismen der Erde gilt ein Pilz.

Es handelt sich um einen Dunklen Hallimasch im Malheur National Forest im US-Bundesstaat Oregon. Oder besser gesagt: Er operiert dort im Verborgenen. Sein Myzel durchzieht auf einer Fläche von rund 2.385 Acres, also knapp zehn Quadratkilometern, den Boden und die Wurzeln der Bäume.

Wer nach dem PZ-Autorenforum am nächsten Tag durch den Wald läuft: Was wird er garantiert anders sehen, anders riechen oder anders liegen lassen?

Garantieren kann ich natürlich nichts. Aber ich wünsche mir, dass Menschen nach dieser Veranstaltung oder nach der Lektüre meines Buches mit weiter geöffneten Augen, Ohren, Nasen und hoffentlich auch Herzen durch den Wald gehen.

Vielleicht lassen sie dann auch einmal einen schönen Pilz einfach stehen. Nicht, weil er nicht interessant oder nicht essbar wäre, sondern weil Anschauen, Fotografieren und Staunen manchmal genauso viel Freude machen können wie das Sammeln selbst.

Denn im Wald gibt es etwas zu finden, das nicht käuflich ist: Für mich ist das pures, reines Glück.

Am Dienstag, 29. September, ab 19 Uhr stellt Peggi Rudischhauser ihr Buch „Gibt’s denn schon Pilze?“ im PZ-Autorenforum vor. Tickets unter (07231)933125.