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Ihren Sitz haben die Islamisten im Keller des Eck-Gebäudes  Linden/Franziskusstraße.
Ihren Sitz haben die Islamisten im Keller des Eck-Gebäudes Linden/Franziskusstraße. © Ketterl
05.07.2011

Vorwürfe gegen Salafisten: Angst um die Tochter

PFORZHEIM/ENZKREIS. Die Eltern rätseln. Sie suchen nach Erklärungen, strecken nach wie vor die Hand aus. Aber sie wissen nicht, ob ihre Tochter sie je wieder ergreifen wird. Denn sie mutmaßen, sie hätten Maria (Name geändert), 19, an Islamisten verloren.

Als solche bezeichnen Verfassungsschützer aller Bundesländer die Salafisten, eine Strömung, die sich am Islam der Zeit Mohammeds, also am frühen Mittelalter ausrichtet, und die es auch in Pforzheim gibt. „Ich dachte, wir sind als Eltern gar nichts mehr wert“, sagt die Mutter – die Familie lebt im östlichen Enzkreis – in die Kamera des Südwestrundfunks. Zur PZ sagt sie: „Man hört als Eltern nie auf, zu hoffen.“ Lange haben die Müllers (Name geändert) mit sich gerungen, dann traten sie vor die Kamera, um andere Eltern zu warnen. Zu sehen war der Beitrag über „geköderte Jugendliche“ am Dienstag in „Report Mainz“. Die Mutter: „Die Leute sollen erkennen, was da für eine Gefahr lauert.“

Radikale Abspaltung

Es sei, als habe man bei seinem Kind einen Schalter umgelegt, sagt auch ein in Pforzheim lebender Araber. Seine Tochter habe sich bei einem Informationsstand in der Pforzheimer Innenstadt mit dort ausliegendem Material eingedeckt und sei mit den bärtigen Männern der Gemeinschaft deutschsprachiger Muslime (GDM) ins Gespräch gekommen.

Der Verein hat sich von der Salam-Moschee an der Habermehlstraße abgespalten und hat seine Räumlichkeiten seit geraumer Zeit im Keller eines Mehrfamilienhauses an der Ecke Linden-/Franziskusstraße (die PZ berichtete). In dieser Al-Barakah-Moschee hat Maria ihre religiöse und familiäre Heimat gefunden. Sie hat ein Vorstandsmitglied der salafistischen Moscheegemeinde geheiratet und war nach Aussage von „Report“-Autor Eric Beres bereits auf der „Hadsch“, der Pilgerfahrt nach Mekka. Als die Eltern von den Heiratsplänen erfuhren, wandten sie sich an das Ordinariat der Erzdiözese Rottenburg. Diese bat Hossein Fatimi, den in Pforzheim lebenden, aus Afghanistan stammenden muslimischen Vorsitzenden der Christlich-Islamischen Gesellschaft (CIG), darum, mit der Familie Kontakt aufzunehmen. Der hatte zwar nach eigenen Worten ungute Erfahrungen mit den Salafisten gemacht – sie hatten vor zwei Jahren im Gegensatz zu allen anderen Muslimen die päpstliche Grußbotschaft an die Muslime anlässlich des bevorstehenden Fastenbruch am Ende des Ramadan nicht angenommen – aber Fatimi kam der Bitte nach. Was er erlebte, ließ ihn schaudern: Die Tochter habe gesagt, ihre christlichen Eltern hätten keine Rechte mehr auf ihr Kind nach ihrem Übertritt zum Islam.

„Gift für unsere Kinder“

Fatimi schüttelt eins ums andere Mal den Kopf, als er sich die Filmsequenzen des TV-Beitrags ansieht. Gedreht hat das Team unter anderem in der Fußgängerzone und Archivaufnahmen des bekanntesten Konvertiten eingestreut: Der ehemalige Profiboxer Pierre Vogel, 32, getaufter Katholik und salafistischer Missionar, sprach bereits zweimal auf Einladung der GDM in der Nagoldhalle vor mehreren Hundert Fans. „Die Salafisten streuen Gift für unsere Kinder“, sagt Fatimi. Der Vorsitzende der GDM hat gegenüber der PZ angekündigt, „Report Mainz“ wegen „wahrheitswidriger Behauptungen“ zu verklagen. Zu den erhobenen Vorwürfen sagt er nichts, nur: „Wir wollen Vorurteile gegenüber dem Islam abbauen.“

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