Bis zur letzten Minute glauben die Fans der „Feurigen“, wie die Kroaten ihre Fußballnationalmannschaft nennen, an den Sieg. „Wir haben es immer bis in die Verlängerung geschafft und das Ruder noch rumgerissen“, sagt Susana Mendeseciv, die gemeinsam mit Sohn Juro in den Enzauenpark gekommen ist, um ihre Mannschaft beim WM-Finalspiel gegen Frankreich anzufeuern. Mit dieser Meinung ist sie nicht allein.
Einige Hundert Kroatien-Fans sind am Sonntagnachmittag in den Enzauenpark gekommen, um gemeinsam das WM-Finalspiel auf der Großleinwand zu verfolgen. Auch einige französische Fans kamen und feuerten ihre Equipe an. Die rund 1.800 Fußballbegeisterten sahen ein wahres Torfestival.
Rund 1800 Zuschauer sind laut Biergarten-Chef Frank Daudert am Sonntagnachmittag gekommen – fast alle fiebern für den Außenseiter Kroatien mit. Selbst in der 80. Minute, als die „Équipe Tricolore“ mit zwei Toren Vorsprung den Titel schon so gut wie sicher hat, geben die Fans den Glauben nicht auf. Denn, so die einhellige Meinung: „Wir sind sowieso Gewinner, wir haben es bis ins Finale geschafft“, wie Nada Walter erklärt, die sich mit der ganzen Familie einen Platz vor einer der beiden Leinwände ergattert hat.
Schon vor dem Anpfiff um 17 Uhr ist die Stimmung im Park gut, sowohl auf kroatischer als auch auf französischer Seite. Sehr zur Freude von Daudert. Dass zum Finalspiel noch einmal so viele Gäste gekommen sind, ist aber nur ein kleines Trostpflaster. „Wir haben bei den Planungen mindestens bis zum Viertelfinale für die deutsche Mannschaft kalkuliert“, erklärt der Biergarten-Pächter.

WM-Finale im Enzauenpark
Dickes Minus
Bis zu 70.000 Euro könnte das frühe Ausscheiden der Deutschen Daudert nun kosten – eine genaue Abrechnung liege aber noch nicht vor. Ob es bei der EM 2020 wieder ein Public Viewing im Enzauenpark geben werde, entscheide sich im nächsten Jahr.
Als in der 18. Minute das erste Tor für Frankreich fällt, springen etwa 30 Fans auf. Darunter auch die ehemalige FDP-Stadträtin Monika Descharmes, die Farben Frankreichs in den Haaren und eine schwarz-rot-goldene Blumenkette um den Hals. „Durch meine Familie bin ich sehr frankophil und fiebere immer mit“, verrät sie. Dass sie als Frankreich-Fan in der Unterzahl ist, daran sei man in Pforzheim gewohnt, sagt sie augenzwinkernd.
Zwiegespalten darüber, wer die Partie gewinnen soll, ist die Fußballmannschaft der B-Jugend des FV 09 Niefern. Während Justin Reich Frankreich anfeuert, drückt sein Teamkollege David Bodgan Kroatien die Daumen. „Gestern haben wir noch zusammen gefeiert, mal sehen, wie es heute ausgeht“, sagen sie lachend.
Als die Kroaten in der 28. Minute ausgleichen, übertönt der Jubel der Hunderten Fans den Donner, der inzwischen über dem Park grollt – der Glaube ist wieder da, auch der einsetzende Regen zur Halbzeit schreckt die Fans nicht ab. Doch am Ende triumphiert Frankreich. „Ich könnte heulen“, jubelt Frankreich-Fan Ali M‘Deihli. Bei den Kroaten werden tatsächlich ein paar Tränen vergossen. Doch der Stolz auf die Mannschaft überwiegt: „Dieses Mal sind wir Zweite, das nächste Mal dann Sieger“, prophezeit Marina Igrcic und stößt auf den Vizetitel an.

