Verdi Streik Kaufhof 05
Gestreikt wird am Freitagmittag bei Galeria Kaufhof. 

Warnstreik bei Galeria Kaufhof - Kunden standen vor verschlossenen Türen

Pforzheim. Nein, es sind keine Gelbwesten-Demonstranten, die am Freitagmittag in der Innenstadt für Aufsehen sorgen. Vielmehr sind es Mitarbeiter von Galeria Kaufhof, die dort ihren Warnstreik abhalten. Das Einkaufszentrum war zwischenzeitlich geschlossen.

"Wegen einer Betriebsversammlung öffnet unser Haus heute später", stand auf Zetteln an den verschlossenen Türen. Etwa 50 Personen haben sich zum Warnstreik versammelt, auch ein Streifenwagen der Polizei war deswegen vor Ort. Ein zweites Polizeiauto, das in der Innenstadt gesichtet wurde, steuerte dagegen den Supermarkt Pischzan an. Dort widmeten sich die Beamten einem Ladendieb.

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Warnstreik bei Galeria Kaufhof

Wie ein PZ-Redakteur der vor Ort war, berichtete, ging es bei dem Streik nach Angaben einiger Mitarbeiter vor Ort nicht nur um die laufenden Tarifverhandlungen, sondern auch um die Situation speziell bei Kaufhof.

Am Freitagmorgen hatte die Gewerkschaft ver.di Baden-Württemberg angekündigt, ihre Streiks im baden-württembergischen Einzelhandel auszuweiten. "Das Einkaufen am umsatzstarken Brückentagswochenende wird heute und morgen in weiten Teilen des Landes durch ein- bis zweitägige Warnstreiks beeinträchtigt", heißt es in einer Pressemitteilung.

Im Rahmen der laufenden Tarifrunde finden demnach bereits in der vierten Woche in Folge in Stuttgart und der Region Warnstreiks im Einzelhandel statt. Am Freitag kämen Streikende aus Ludwigsburg, Waiblingen, Bietigheim-Bissingen, Böblingen, Sindelfingen sowie dem Raum Reutlingen/Tübingen zu einer gemeinsamen Demonstration und Kundgebung nach Stuttgart. Beschäftigte aus mehr 40 Betrieben sind beteiligt, darunter H&M, Zara, Kaufland, Esprit, OBI, Primark und andere.

In Pforzheim werden die Beschäftigten von Kaufland und Galeria Kaufhof zum Streik aufgerufen.

Warnstreiks gibt es heute auch im Raum Karlsruhe. Betroffen sind Primark Karlsruhe, das dm-Verteilzentrum Waghäusel, Kaufland-Grünwinkel und H+M im ECE.

In Heilbronn, Hohenlohe und Schwäbisch Hall werden 6 Kaufland-Filialen sowie Betriebe von Galeria Kaufhof, H&M und Esprit bestreikt. Hier starten Streikende ab 10 Uhr 30 zu einem Demonstrationszug vom DGB-Haus zur Stadtgalerie. Dort ist eine gemeinsame Aktion geplant.

Warnstreiks gibt es zudem in Mannheim und Heidelberg - hier werden 6 Filialen von Kaufhof, Kaufland und H&M bestreikt.

Erste Arbeitsniederlegungen in Form von Warnstreiks wird es auch im Einzelhandel in der Region Südbaden-Schwarzwald geben. ver.di ruft Beschäftigte von Kaufhof / Karstadt - Häusern, H&M-, ZARA- und Esprit – Filialen, real- und Kaufland-Märkte an einzelnen ausgewählten Standorten in Tuttlingen, Singen, Konstanz, Lörrach und Freiburg zum Streik auf. „Ohne uns kein Geschäft“ lautet heute das Motto einer Kundgebung um 13.00 am Kartoffelmarkt in Freiburg, zu der die Verantwortlichen ca. 150 Streikende erwarten.

Das sind die ver.di-Forderungen:

In der laufenden Tarifrunde verhandeln ver.di und der Handelsverband Baden-Württemberg über Erhöhungen der Gehälter, Löhne und Ausbildungsvergütungen für die rund 490.000 Einzelhandelsbeschäftigten im Land. Der bisherige Tarifvertrag wurde von ver.di zum 31. März 2019 gekündigt.

ver.di fordert

  • Erhöhung der Löhne und Gehälter um 6,5 %, mindestens 163 €
  • Anhebung der Ausbildungsvergütungen um monatlich 100 €
  • Tarifliches Mindesteinkommen von 2.100 €
  • Vereinbarung einer Vorteilsregelung für ver.di-Mitglieder in Höhe von einem Prozent des individuellen jährlichen Bruttoentgeltes
  • Laufzeit: 12 Monate
  • Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit

Die Arbeitgeber bieten bei einer Laufzeit von 24 Monaten laut ver.di folgende Erhöhungen an:

  • 1,5 % ab 1. April 2019
  • weitere 1,0 % ab 1. April 2020
  • entsprechende Anhebungen für Auszubildende

Das Arbeitgeberangebot wurde von ver.di in der letzten Verhandlungsrunde als viel zu niedrig zurückgewiesen. Die nächste, dritte Verhandlungsrunde findet am 12. Juni statt.

Mehr zu den Hintergründen lesen Sie am Samstag in der "Pforzheimer Zeitung".