Das von Efeu umrankte Tor mit verwitterter Inschrift in unmittelbarer Nähe zum Gasthaus „Kupferhammer“ treibt einen Leser um. Welche Geschichte hat dieser Bau, und was verbirgt sich heute darin? Die PZ-Recherche ergibt spannende Antworten.
Wer mit offenen Augen am „Kupferhammer“ vorbei zum Getränkemarkt Hüttinger spaziert, entdeckt am Wegesrand Historisches. Bei dem kleinen Gemäuer mit dem hölzernen Tor handelt es sich um einen in den Bergfuß hineingebauten Kühlkeller. Der städtische Denkmalpfleger Christoph Timm weist auf die aus rotem Sandstein gemauerte Stirnwand und das Tor mit Portikusrahmung hin, darüber die Bauinschrift „K. Naeher 1875“. Interessantes zum Denkmalwert findet sich in der von Timm mitverfassten Publikation „Pforzheim – Kulturdenkmale im Stadtgebiet und in den Ortsteilen“ aus dem Jahr 2004. Denn dieser ehemalige Eiskeller bildet ein Ensemble mit der gegenüberliegenden Gastwirtschaft und der benachbarten ehemaligen Eisfabrik.
Diese überragt als zweigeschossiger Putzbau mit Giebeln und Krüppelwalmdach das Wirtshaus. Die Eisfabrik wurde anstelle des alten Kupferhammers in den Jahren 1910 und 1911 nach Plänen des Pforzheimer Architekten Otto Deyhle für den Kaufmann Gustav Hüttinger mit Maschinenhalle und Wohnungen erbaut. Bis 1971 stand in der Halle eine Eismaschine, die über ein Riemengetriebe vom Mühlrad angetrieben wurde und Stangeneis produzierte. Der Standort und die Namensbezeichnung der drei Gebäude erinnern an den traditionsreichen „Kupferhammer“, der 1663 begründet wurde. „Mit Mühlenbetrieb, Rohrschmiede, Sägewerk und Köhlerei gehörte er zu den bedeutenden Wirtschaftsbetrieben der frühindustriellen Stadt“, heißt es in der Denkmaltopografie von 2004. Im 19. Jahrhundert wechselte der „Kupferhammer“ an die Familie Naeher – ein Spross ist der namhafte Pforzheimer Ingenieur und Burgenforscher Julius Naeher (1824–1911).
Der ehemalige Eiskeller wird übrigens auch heute noch genutzt. Im Winter werden dort etwa die Sonnenschirme der Gastwirtschaft eingelagert, den Sommer über hält das Gemäuer Getränke kühl. Und wenn die Mitglieder eines Fahrrad-Stammtischs im „Kupferhammer“ tagen, holen sie sich am Tresen den Schlüssel für das Vorhängeschloss ab, um ihre teure Vehikel während des gemütlichen Beisammenseins im Schutz dieses Baus zu wissen.

