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Konrad Weber, kommissarischer Kämmerer der Stadt Pforzheim, darf im Derivate-Prozess die Anklagebank im Mannheimer Landgericht verlassen. Unser Bild zeigt ihn bei einer Informationsveranstaltung der Stadft Pforzheim im CCP.
Konrad Weber, kommissarischer Kämmerer der Stadt Pforzheim, darf im Derivate-Prozess die Anklagebank im Mannheimer Landgericht verlassen. Unser Bild zeigt ihn bei einer Informationsveranstaltung der Stadft Pforzheim im CCP. © Archivbild: Seibel
12.09.2017

Wende im Derivate-Prozess: Verfahren gegen Konrad Weber eingestellt

Pforzheim/Mannheim. Konrad Weber, kommissarischer Kämmerer der Stadt Pforzheim, darf die Anklagebank im Mannheimer Landgericht verlassen. Im Derivate-Prozess vor der Großen Wirtschaftsstrafkammer wurde am Dienstag das Verfahren gegen ihn wegen des Vorwurfs der Beihilfe zur Untreue gegen Zahlung einer Geldbuße von 9000 Euro vorläufig eingestellt. Damit bleibt der aktuelle Pforzheimer Finanzchef ohne Vorstrafe.

„Die letzten Jahre haben für mich eine so große Anstrengung dargestellt, dass ich mich noch gar nicht befreit fühle. Jetzt muss erst das normale Leben wieder einkehren“, sagte er unmittelbar nach der Verkündung dieser Entscheidung durch den Vorsitzenden Richter Andreas Lindenthal gegenüber der "Pforzheimer Zeitung". Er habe stets einen starken Rückhalt durch die Vertreter der Stadt Pforzheim verspürt. „Ich freue mich, dass ich meine Arbeitskraft wieder voll für meine Heimatstadt einbringen kann. Meine Arbeit hat auch seither unter der Belastung nicht gelitten“, stellte Weber fest. Für ihn dürfte das ein vorgezogenes Geburtstagsgeschenk sein: Nächste Woche wird er 55 Jahre alt.

Sein Heidelberger Verteidiger Andreas Liebers verlas eine auf eineinhalb DIN-A-4-Seiten zusammengefasste Erklärung, in der er deutlich machte, weshalb sich sein Mandant mit der Einstellung einverstanden erkläre. Darin heißt es unter anderem, „dass selbst für den Fall, dass das Gericht zu einem Schuldspruch käme, die Schuld von Herrn Weber so gering anzusehen ist, dass es einer Verurteilung hier nicht bedarf.“ Webers Zustimmung, so sein Rechtsanwalt, sei kein Schuldeingeständnis.

Die Zahlung der Geldauflage an den Verein Miteinander Leben in Mannheim, erfolge im Wesentlichen aus drei Gründen (die Begründung von Liebers hier in Auszügen):

1. „Das Strafverfahren begleitet und belastet Herrn Weber und auch die Familie von Herrn Weber seit vielen Jahren.“ Und weiter: „Die große psychische Belastung möchte Herr Weber nicht weiter tragen.“

2. „Das Verfahren wird sich voraussichtlich noch hinziehen und - so zumindest unsere Auffassung- letzten Endes auch nicht hier, sondern am Bundesgerichtshof in Karlsruhe entschieden werden.“ Darüber hinaus sei Weber als kommissarischer Kämmerer Pforzheims gegen Jahresende „beruflich ausgesprochen stark belastet.“

3. „Schließlich ist die Zustimmung von Herrn Weber zu der Einstellung des Verfahrens auch ein Gebot wirtschaftlicher Vernunft.“ Selbst bei einem Freispruch würden ihm „bei weitem nicht“ die Kosten ersetzt. Somit sei die Geldauflage das „geringere Übel.“

Dennoch kann es sein, dass Weber noch einmal in Mannheim aussagen muss: als Zeuge. Das stellte Wolfgang Kubicki, einer der zwei Anwälte von Ex-Oberbürgermeisterin Christel Augenstein, in Aussicht. Neben ihr ist auch die frühere Kämmerin wegen Untreue angeklagt. Der Beihilfe zur Untreue müssen sich zwei Mitarbeiter der Bank J. P. Morgan erwehren.