760_0900_125607_AdobeStock_64988729.jpg
 

Weniger mehr essen – was können Ernährungstrends?

Mittelmeer-Diät, Intervall-Fasten, Low-Carb-Diät: Die Ratgebermagazine sind voller Ernährungstrends – doch was taugen diese Ratschläge wirklich?

Hier ein Snack, da ein Softdrink: Viele Menschen füttern ihren Körper nahezu ständig mit Kalorien. Das muss nicht sein – im Gegenteil: Auch regelmäßige Essenspausen, wie sie etwa beim Intervall-Fasten vorgesehen sind, können der Gesundheit guttun. „Immer wieder tauchen neue Trends auf, manchmal ist dabei aber auch Bekanntes einfach neu verpackt“, sagt Simone Mühling, Koordinatorin Gesundheitsförderung in Lebenswelten bei der AOK. „Auch Intervallfasten ist nicht unbedingt neu“, befindet sie. „Früher gab es sogenannte Schalttage, die ähnlich funktioniert haben.“

Grundsätzlich könne damit Sinnvolles bewirkt werden, meint die Ernährungsexpertin. „Studien und auch Erfahrungen belegen Gewichtsabnahmen sowie die Verbesserung medizinischer Parameter.“ Die gängigsten Formen des Intervallfastens sind laut dem Internisten und Ernährungsmediziner Prof. Andreas Michalsen Varianten des „Time-restricted eating“, also des zeitlich begrenzten Essens. Dazu gehören etwa die 16:8- oder die 14:10-Diät sowie das 5:2-Fasten beziehungsweise die 2-Tage-Diät.

Was die Zahlen bedeuten „Bei der 16:8- oder 14:10-Diät nimmt man für einen Zeitraum von 16 beziehungsweise 14 Stunden nichts außer Wasser, ungesüßten Tee oder schwarzen Kaffee zu sich. In den verbleibenden acht beziehungsweise zehn Stunden darf dann normal gegessen werden“, erklärt Antje Gahl von der Deutschen Gesellschaft für Ernährung (DGE).

Bei der 2-Tage-Diät sollten die Fastentage aufeinanderfolgen. An diesen sollte man jeweils maximal 650 Kalorien zu sich nehmen, erklärt Gahl. Für die Fastentage wird eine kohlenhydratarme, aber proteinreiche Ernährung empfohlen. An den anderen fünf Tagen sollte es eine eher mediterrane Kost sein, also frisches Gemüse, Fisch, Olivenöl, Nudeln, Reis, Kartoffeln, Kräuter, Nüsse, Obst.

Kein Wundermittel Beim 5:2-Prinzip müssen die Fastentage nicht aufeinanderfolgen, sie sollten aber einen festen Rhythmus haben – zum Beispiel immer am Dienstag und Freitag. Erlaubt wird dann ein Viertel der sonst üblichen Energiezufuhr, das entspricht ungefähr 500 bis 650 Kalorien.

Ein Wundermittel in Sachen Abnehmen ist das Intervallfasten laut Ernährungsberaterin Antje Gahl dennoch nicht. Es gebe eher geringe Effekte auf den Body-Mass-Index, der das Verhältnis von Gewicht zu Körpergröße beschreibt und als grober Indikator für Über- und Untergewicht gilt. Das Fasten habe aber den Vorteil, so Gahl, dass sich das ungesunde Bauchfett reduziere. „Die Methode ist nicht schlechter als eine herkömmliche Diät.“ Und es scheint für viele leichter zu sein, diese Ernährungsform dauerhaft durchzuhalten. Aber auch hier gelte laut Simone Mühling, sich mit seiner Ernährung gut auseinanderzusetzen. „In den Stunden, in denen gegessen werden kann, sollte man auch wirklich Notwendiges und Sinnvolles zu sich zunehmen.“ Und sie gibt noch etwas zu bedenken: „Es ist sicher nicht für jeden geeignet, seine Mahlzeiten einzuschränken, insbesondere wenn jemand lange und anstrengende Tätigkeiten hat.“

Alltagstauglichkeit als Erfolgsgarant Von einer Sache ist sie aber vollständig überzeugt: „Für alle Ernährungs-Trends gilt: Nur in der Umsetzung und Integration in den Alltag zeigt sich ihre Tauglichkeit.“ Ein wichtiger Punkt, den auch die diesjährigen Teilnehmer der PZ/AOK-Frühjahrskur bestätigen können. Mit etwas Eingewöhnung klappt es mittlerweile bei allen gut, den etwas aufwendigeren Einkauf der vielen verschiedenen Zutaten und das tägliche Kochen mit Beruf und Alltag unter einen Hut zu bekommen.

Mindestens ebenso wichtig scheint Simone Mühling eine bewusste Auseinandersetzung mit dem Thema Ernährung. „Was essen wir? Wieviel essen Wir? Wann sind wir satt?“ – das sind die immer wiederkehrenden Fragen, die die AOK-Exeprtin auch immer wieder den Teilnehmern bei Seminaren zum Thema Ernährung stellt – unabhängig von einer eventuell gewählten Form eines Ernährungstrends. „Wenn die Auseinandersetzung mit einem Trend hilft, die eigene Ernährungsweise zu überdenken, und herauszufiltern, was einem wirklich wichtig ist, haben wir schon eine sinnvolle Wirkung erreicht.“