Pforzheim. Nach elf Jahren endet für Carmen Heinz-Gottwald ein besonderes Kapitel: Zum 31. Oktober 2026 schließt sie ihren Conceptstore in der Pforzheimer Fußgängerzone. Eine Entscheidung, die ihr nicht leichtfällt – und die zugleich eine Entwicklung widerspiegelt, mit der viele inhabergeführte Einzelhändler zu kämpfen haben. Die seit Jahrzehnten bestehende Beauty-Lounge Kosmetik Gottwald im Obergeschoss ist von der Schließung nicht betroffen und wird weitergeführt.
Die Geschichte begann im April 2015. Damals übernahm Carmen Heinz-Gottwald die Boutique von Renate Wagner im Pforzheimer VolksbankHaus. Für sie war das Modegeschäft eine ideale Ergänzung zu ihrer bereits seit Jahrzehnten bestehenden Beauty-Lounge. Mode, Accessoires, Lifestyle und Kosmetik miteinander zu verbinden, entwickelte sich zu einem Konzept mit eigener Handschrift. Statt auf Masse setzte Heinz-Gottwald auf ausgewählte Produkte, persönliche Beratung und ein besonderes Ambiente.


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Mit der Corona-Pandemie folgten zwei ausgesprochen schwierige Jahre. Lockdowns, Einschränkungen und die Verunsicherung der Verbraucher trafen insbesondere den stationären Einzelhandel und die Kosmetik. Doch Heinz-Gottwald entschied sich nicht für den Rückzug. Im April 2022 wagte sie noch einmal einen bewussten Neuanfang und führte Boutique und Beauty-Lounge an einem gemeinsamen Standort mitten in der Pforzheimer Fußgängerzone zusammen. So entstand der heutige Conceptstore Carmen Gottwald.


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„Nach den schwierigen Corona-Jahren wollte ich nicht aufgeben. Ich wollte noch einmal etwas Neues schaffen und habe ganz bewusst auf die Innenstadt gesetzt. Ich war davon überzeugt, dass ein individuelles Geschäft mit persönlicher Beratung und einem besonderen Ambiente auch in Zukunft seinen Platz haben wird“, sagt Carmen Heinz-Gottwald.
Viereinhalb Jahre später zieht sie nun die Konsequenz aus wirtschaftlichen Rahmenbedingungen, die sich aus ihrer Sicht weiter verschärft haben: Steigende Kosten, Kaufzurückhaltung, wirtschaftliche Unsicherheit und die zunehmende Verlagerung des Konsums in den Onlinehandel machen es gerade individuell geführten Geschäften immer schwerer, wirtschaftlich zu bestehen.
„Wir wünschen uns lebendige Innenstädte, individuelle Geschäfte und persönliche Beratung. Gleichzeitig entscheiden wir mit unserem Einkaufsverhalten darüber, ob solche Geschäfte wirtschaftlich weiter existieren können“, sagt Heinz-Gottwald.
Die Entwicklung wirft damit eine Frage auf, die weit über die Schließung eines einzelnen Geschäfts hinausgeht: Was passiert mit unseren Innenstädten, wenn immer mehr der individuellen, inhabergeführten Geschäfte verschwinden?
Eine Innenstadt lebt nicht nur von Gebäuden und Fußgängerzonen. Sie lebt von Gastronomie, Dienstleistungen und Geschäften, die Menschen einen Grund geben, in die Stadt zu kommen, zu stöbern, sich beraten zu lassen und Dinge zu entdecken, die es nicht überall gibt.


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„Natürlich gehört der Onlinehandel heute zu unserem Leben“, sagt Heinz-Gottwald. „Aber vielleicht sollten wir uns manchmal bewusst machen, dass wir mit jedem individuellen Geschäft, das verschwindet, auch ein Stück Vielfalt in unserer Stadt verlieren. Was 2015 begonnen hat, war elf Jahre lang ein großer Teil meines Lebens. Ich habe diese Zeit mit unglaublich viel Freude und Leidenschaft erlebt und durfte dabei viele wunderbare Menschen kennenlernen. Dafür bin ich sehr dankbar. Ich möchte mich von Herzen bei allen bedanken, die meinen Weg seit 2015 mitgegangen sind. Viele Begegnungen und gemeinsame Momente werde ich nie vergessen.“

