nach oben
Gruppenbild mit Damen: Projektleiterin Mirzeta Haug, Filmemacherin Svetlana Majer, die beiden Hauptdarstellerinnen Inga Läuter und Sehre Kurt (von links), zusammen mit den Musikern. Foto: privat
Gruppenbild mit Damen: Projektleiterin Mirzeta Haug, Filmemacherin Svetlana Majer, die beiden Hauptdarstellerinnen Inga Läuter und Sehre Kurt (von links), zusammen mit den Musikern. Foto: privat
16.08.2017

„Wir sind ein Teil von Deutschland“: Porträts in der Koki-Serie „Die Mischung macht’s“

Pforzheim. Frauenpower ist beim fünften Filmabend von „Pforzheim 2017 – Die Mischung macht’s“ angesagt. Als sich der symbolische Vorhang vor ausverkauftem Saal im Kommunalen Kino hebt, stehen Inga Läuter, freie Journalistin, und Sehre Kurt, Kleinunternehmerin, im Mittelpunkt des Geschehens. Beide Frauen sind keine Pforzheimer Urgewächse. Inga Läuter kommt im Alter von vier Jahren in die Region, aus dem hohen Norden, aus Kiel – „ich war die Reingeschmeckte und das ganz lange“. Sehre Kurt ist neun Jahre alt, als sie zusammen mit ihren acht Geschwistern und den Eltern aus ihrer Heimat, der Türkei, flieht. Die Familie sind kurdische Yeziden und werden deshalb verfolgt.

In Wilhelmshaven, ihrer ersten Station in Deutschland, muss sie zur Schule gehen und weint bittere Tränen, wenn der Vater sie am Schultor zurücklässt. Später geht die Familie nach Bielefeld, und mit ihrer Heirat zieht Sehre Kurt nach Pforzheim. Hier lebt sie seit 1993 mit ihrem Mann und ihren vier Kindern, von denen drei schon erwachsen sind. Und auch die Dritte im Bund, die Filmemacherin Svetlana Majer, hat einen Migrationshintergrund. Geboren in Kasachstan, kommt sie mit sieben Jahren als Spätaussiedlerin nach Deutschland. „Ich konnte kein Wort Deutsch. Diese Erfahrung hat mich für mein Leben geprägt.“

Trotz der Startschwierigkeiten, die alle drei in ihrer neuen Heimat haben, möchte keine mehr aus der Region wegziehen. Auch wenn Sehre Kurt sagt: „Wir sind zwischen zwei Welten“ – zwischen den Wurzeln in der alten Heimat und dem Angekommen-Sein in der neuen Heimat. Von den „Einheimischen“ wünscht sie sich, dass man sie nicht als Ausländerin sehen solle: „Wir sind ein Teil von Deutschland.“ Inga Läuter macht deutlich, dass Integration ein Prozess sei, der „von beiden Seiten gegangen werden muss“. Vor allem dürfe Integration nicht mit Assimilation gleichgesetzt oder verwechselt werden, sagt sie.

Sprache ist der Schlüssel

Schule, Sprache, Bildung sind dabei wichtig Bausteine. „Hier in Deutschland zu leben, ist so leicht. Hier sind wir sicher, und unsere Kinder haben hervorragende Möglichkeiten für Schule und Ausbildung“, so Sehre Kurt. Sie wisse nicht, ob ihr Bildungsweg in ihrer ehemaligen Heimat so möglich gewesen wäre, sagt Svetlana Majer. Derzeit studiert die 28-Jährige „Gesundheitsförderung BA“ an der Pädagogischen Hochschule in Heidelberg. Vorher hat sie Abitur gemacht und eine Ausbildung absolviert. Wie wichtig die Sprache in einem fremden Land ist, diese Erfahrung hat Inga Läuter nicht nur bei ihren zahlreichen Reportagereisen gemacht. Die 34-Jährige hat auch längere Zeit in Ecuador gelebt. „Ich bin dort mit meinem Schulspanisch nicht weit gekommen und habe mich deshalb wie unter einer Glashaube gefühlt.“ Und noch etwas Wichtiges habe sie bei ihren Reisen gelernt: „Die Dankbarkeit und die Demut für das, was wir hier haben.“

Trotz der ernsten Klänge in der sich an den Film anschließenden Diskussionsrunde mit Projektleiterin Mirzeta Haug klingt auch der fünfte Abend von „Pforzheim 2017“ mit vielen guten Begegnungen und jeder Menge guter Laune aus.

Am Sonntag, 20. August, geht es im Kommunalen Kino weiter mit „Pforzheim 2017 – Die Mischung macht’s“. Ab 18 Uhr läuft das Filmporträt von Aryo Gharabatti (Iran) und Mohamad Najjar(Syrien). Kartenreservierungunter Telefon (0 72 31) 56 61 97 0.