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Stefanie Wetzke stellte mit Hilfe von Dieter Mandl-Meixner potenziellen Mitbewohnern die Nutzungspläne für den „Alten Schlachthof“ vor.  Foto: Wießler 

Wohnprojekt auf Altem Schlachthof nähert sich der Entscheidung

Bei einem gemeinsamen Essen kommen in der Regel auch Zuwendung, Gespräche, Gemeinsamkeit und Zusammenhalt auf den Tisch. Das war durchaus beabsichtigt von der Genossenschaft Gewerbekultur, die am Sonntag im Alten Schlachthof von Pforzheim einen Brunch für Wohn-Interessierte veranstaltete. Denn das Treffen sollte schlichtweg Appetit darauf machen, sich als Mitbewohner beziehungsweise Mitstreiter für das Projekt einsetzen, dass Wohnen, Arbeiten, Kunst und Kultur auf dem Areal des alten Schlachthofs ermöglicht.

Es gehe jetzt darum, das Projekt professionell auf sichere Füße zu stellen, betonte Stefanie Wetzke vom Vorstandsteam, die die rund 20 Gäste über den aktuellen Stand informierte.

Das Vorhaben hat bereits mehrere Planungsstufen durchlaufen. Neben Ateliers soll für rund 100 innovative Wohneinheiten auf der etwa zwei Hektar großen Fläche Platz sein – inklusive Alten- und Studenten-WG. An eine Kinderbetreuung wird ebenso gedacht wie an einen Pflegestützpunkt. Mini-Häuser sollen entstehen, die den Charakter eines Dorfes bilden. Auch Gastronomie und Läden für die Werke der ansässigen Künstler sind vorgesehen. Die bestehende Sheddach-Halle soll kernsaniert werden, und wenn es realisierbar ist, um Wohnungen auf dem Dach erweitert werden. Und das Ganze soll natürlich unter ökologischen und bezahlbaren Gesichtspunkte stattfinden.

Das Konzept kommt so gut an, dass sogar das Land Baden-Württemberg den Förderantrag im Programm „Innovativ Wohnen BW“ positiv beschieden hat“, erklärte Wetzke. „Von 60 eingereichten Projekten wurde unser Projekt „Genossenschaftliche Wege der Quartiersentwicklung – Alter Schlachthof Pforzheim“ als beispielgebend ausgewählt. Mit der zugesagten Summe von 1,5 Millionen Euro können wir neben der Förderung und Sanierung von Künstlerateliers zusätzlich Mittel einsetzen für ein Sanierungskonzept des Bestandsgebäudes, eine Machbarkeitsstudie, ein städtebauliches Werkstattverfahren und Öffentlichkeitsarbeit.“

Möglichst langfristige Verträge

In der Zwischenzeit wurden weitere Arbeitsräume und kleinere Betriebsstätten eröffnet. Aus diesen sogenannten Zwischennutzungen sollen möglichst langfristige Verträge entstehen. „Nur gemeinsam mit den Entscheidungsträgern der Stadt Pforzheim kann das Projekt gelingen“, sind sich die 69 Mitglieder der Gewerbekultur einig. „Im November fällt die Entscheidung der Pforzheimer Stadträte. Dann wird es sich zeigen, ob die innovative Wohnplanung eine langfristige Perspektive hat.“

Um dem Projekt Vielfalt und Gewicht zu verleihen, sind weitere Mitglieder gefragt. Wie Wetzke erläuterte, „suchen wir Menschen, die Lust und Zeit haben, sich in den Prozess der Planung und Entwicklung des Areals einzubringen. Wir sind am Anfang eines spannenden Projektes, das unser Leben, das Quartier Nordoststadt und unsere Stadt nachhaltig verändern wird.“ Liedermacher Roland Bliesner fasste die vorherrschende Meinung der Brunch-Teilnehmer in Worte: „Die Genossenschaft ist jede Unterstützung wert. Denn hier kann man die Vision, in einer Gemeinschaft mit anderen zu leben, tatsächlich realisieren. Und Sozialpädagoge Matthias Clausnitzer, seit zweit Jahren in Pforzheim wohnend, stellt es sich spannend vor, „wie der Demokratie-Gedanke im Kleinen umgesetzt wird“. „Das ist bei uns ein organischer Prozess, bei dem Ideen von allen Teilnehmern willkommen sind“, bestätigte Stefanie Wetzke.