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Die Feierstunde in der Aussegnungshalle bereichern die Sänger Kurt Maisenbacher und Sina Breu (hinten). Tilo Keller 

Würdevoller Ort des Abschieds: Festakt zum 100-jährigen Bestehen der Aussegnungshalle

Die Aussegnungshalle am Hauptfriedhof besteht seit 100 Jahren. Dieses Jubiläum ist am Freitagabend mit rund 50 Gästen gefeiert worden.

Zugleich wurde die neue Dauerausstellung mit historischen Aufnahmen des Hauptfriedhofs in den Vorräumen der Aussegnungshalle eröffnet. Die Sänger Kurt Maisenbacher und Sina Breu sorgten in Begleitung von Holger Engel am Piano für den musikalischen Rahmen.

Beispielhafte Anlage

Harald Kuch, der kommissarische Leiter des Grünflächen- und Tiefbauamts, begrüßte die Besucher, die im Mondschein in die Halle gefunden hatten. „Schön, dass wir gemeinsam diesen Ort würdigen“, freute er sich. Baubürgermeisterin Sibylle Schüssler erinnerte daran, dass der Abschluss der Bauarbeiten vor 100 Jahren dem damals neu gestalteten und erweiterten Friedhof ein unverwechselbares, individuelles Gesicht gegeben hatte. „Ein Gesicht, das unseren Pforzheimer Hauptfriedhof zu einer der beeindruckendsten Friedhofsanlagen des südwestdeutschen Raums macht“, betonte sie.

Schüssler bezeichnete es als Glücksfall, dass der beeindruckende Raum die Zeit in der Originalausstattung überdauert hatte. „Dieser Raum mit seiner unverwechselbaren Geschichte und seiner besonderen Ausstattung ist ein Erbe der Stadt, das es zu bewahren gilt“, hob sie hervor. „Genauso bewahren sollten wir unseren Hauptfriedhof in seiner parkartigen Struktur, mit der Vielfalt der Bäume und Hecken, den historischen Grabanlagen und den neuen Gemeinschaftsanlagen.“ Sie begrüßte den Plan, einen Förderverein für die Pforzheimer Friedhofskultur zu gründen.

Historiker Olaf Schulze ging vor allem auf die Geschichte ein. „Das Besondere in Pforzheim ist die Kombination von Aussegnungshalle, Leichenhalle und Krematorium in einem Bau, verbunden mittels kurzer Wege“, so Schulze. Er machte auf die Ausschmückung der Aussegnungshalle aufmerksam, die von Künstlern aus dem Umkreis der Münchner Kunstakademie stammt. Das große Wandbild „Frieden“ wurde nach den Entwürfen des Kirchenmalers Martin von Feuerstein (1856–1931) ausgeführt. Nach dem Tod ihres Mannes und dreier Neffen hatte Emma Bode dieses zentrale Bild gestiftet. Die Verstorbenen sind auch unter den dargestellten Personen zu entdecken.

Das Wandfries mit den Engeln wurde von Carl Domberger (1877-1945) geschaffen. Die keramischen Wandfriese und der große Radleuchter wurden in der Staatlichen Karlsruher Majolika-Manufaktur hergestellt, die die Exklusivrechte zur Reproduktion der baukeramischen Zierteile der Entwürfe von Franz Naager (1870–1942) hatte. Der Historiker führte die Besucher in die Ausstellung in den Vorhallen, wo rund 60 alte Aufnahmen die Geschichte des Friedhofs bis in die 1980er-Jahre aufzeigen.

In einer Vitrine sind auch zwei von ehemals vier Glocken aus Meißner Porzellan ausgestellt. Schulze führte aus, dass diese einst durch den „Verein für Feuerbestattung Pforzheim“ anlässlich des 25-jährigen Bestehens des Krematoriums gestiftet wurden. Die Montage der Glocken habe allerdings der Zweite Weltkrieg verhindert, so dass sie erst 1951 eingebaut werden konnten. Die Glocken kamen eine Zeit lang bei Feuerbestattungsfeierlichkeiten zum Einsatz. In den 1960er Jahren wurden die von vielen als schrill empfundenen Glocken aber sang- und klanglos wieder entfernt.

Beim Empfang stellte Schüssler noch die neue Broschüre „Ratgeber für den Trauerfall“ vor.