Letzter Aufguss: Die Saunagruppe Pforzheim betrauert den Wegfall des Emma-Jaeger-Bads. Tilo keller
Klaus Kasper trägt sich in eine „Kondolenzliste“ an der Kasse des „Emma“ ein.
Ein symbolischer Holzsarg steht vor dem Eingang des „Emma“. Tilo Keller
Wehmut in Huchenfeld.: Stefan Weylo, Bernd Heintz und Lena Busic (von links) verteilen „Erinnerungswasser“ in Reagenzgläschen.
Pforzheim
Wut und Trauer am letzten Öffnungstag des Emma-Jaeger-Bads
  • Nicola Arnet

Friedrich Morscheck hat feuchte Augen. Seit Jahren macht der 68-jährige Pforzheimer gemeinsam mit anderen Ehrenamtlichen die Aufgüsse in der Sauna des Emma-Jaeger-Bads. Jetzt ist damit Schluss. „Das tut sehr weh“, sagt Morschek. Und nicht nur ihm. Sichtlich bewegt schildert er die Szenen, die sich gestern im „Emma“ abspielten. Er berichtet von einem 86-jährigen Stammgast, der mit Tränen in den Augen das Bad verlassen habe. Und von einer jungen Frau, die ihn in den Arm genommen und geweint habe.

„Das Wasser läuft schon über“, beschreibt Rüdiger Wieland die Lage im Bad und in der „knallvollen“ Sauna. Alle sind sie am letzten Öffnungstag noch einmal gekommen, um Abschied zu nehmen.

Und in die Trauer mischt sich Wut. „Wir haben gekämpft und demonstriert, aber das Rathaus hat es nicht interessiert“, steht da auf einem Schild geschrieben, das einen symbolischen Holzsarg vor dem Eingang des „Emma“ ziert. Mit diesem wollen am Abend Sportler und Bad-Nutzer zum Rathaus ziehen, um ihrer Enttäuschung nochmals Ausdruck zu verleihen. „Es ist doch beschämend für Pforzheim. Jede kleine Stadt hat eine Sauna und ein Schwimmbad, nur die Goldstadt nicht“, sind Wieland und Morscheck erbost über die Entscheidungen im Gemeinderat.

Und viele können es anscheinend noch immer nicht glauben, dass nun tatsächlich alles vorbei sein soll. Viele Anrufer hätten sich am Telefon vergewissert, ob es wirklich der letzte Öffnungstag sei, berichtet Olga Disterhoft von den Goldstadtbädern, die den durstigen Sauna-Gästen in der Cafeteria Getränke ausschenkt. Auch für sie ist es eine unwirkliche Vorstellung, dass das „Emma“ ab Montag geschlossen ist. „Das ist ja irgendwie wie ein zweites Zuhause“, sagt Disterhoft, die seit 16 Jahren bei den Goldstadtbädern arbeitet – drei davon am Eingang des Emma-Jaeger-Bads. Dort tragen sich die Badegäste in eine Kondolenzliste ein. Auch Klaus Kasper aus Königsbach-Stein gehört dazu. Wie der 30-jährige Markus Österreicher aus Wiernsheim kam er regelmäßig nach Pforzheim zum Schwimmen. Nun müssen sich beide nach einem anderen Bad umschauen.

Und nicht nur im „Emma“ gehen die Lichter aus. Auch in Huchenfeld sagen die Einwohner Lebewohl. Mehr als 100 Menschen bilden am Nachmittag mit Kerzen und Grablichtern eine Menschenkette um ihr Stadtteilbad. Eine von ihnen ist Gudrun Brock. Jahrelang ist sie hierher zum Aquajogging gekommen, nun muss sie wehmütig Abschied nehmen. „Darin kann ich nicht schwimmen“, sagt sie mit Blick auf die Reagenzgläschen, die Ortschaftsrat Bernd Heintz mit anderen Freiwilligen ausgibt. Darin ist das abgepumpte Wasser des Huchenfelder Bads abgefüllt – als Erinnerung an bessere Zeiten. „Es kann nicht sein, dass man hier das Bad dichtmacht. Es ist ja nicht nur Freizeiteinrichtung, sondern hier lernen Kinder schwimmen, und es wird soziale Arbeit geleistet“, erklärt Heintz entrüstet. Auch Ortsvorsteherin Sabine Wagner ist traurig. „Wenn man wenigstens wüsste, wie es weitergeht“, sagt sie.

Doch möglicherweise wird dies noch dauern. Für Montag und Dienstag stehen zwar Entscheidungen zum Bäderkonzept auf der Tagesordnung des Gemeinderats – falls die Entwicklung bei den Stadtwerken nicht doch zu einem anderen Zeitplan führt.