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Von Neugier getrieben - nicht immer bleiben Schaulustige bei Unfällen wie hier hinter der Absperrung. Rettungskräfte klagen immer wieder über Behinderungen durch aufdringliche Gaffer.
Von Neugier getrieben - nicht immer bleiben Schaulustige bei Unfällen wie hier hinter der Absperrung. Rettungskräfte klagen immer wieder über Behinderungen durch aufdringliche Gaffer. © Symbolbild/dpa
28.09.2016

Zahl rabiater Unfall-Gaffer nimmt immer mehr zu

Pforzheim. Am Donnerstag beginnt im niedersächsischen Bremervörde ein Prozess gegen drei mutmaßliche Gaffer, die nach einem Unfall mit zwei Toten Beamte bei ihrer Arbeit behindert, bedroht und verletzt haben sollen. Zwar handelt es sich hierbei um einen eher extremen Fall mit ungewöhnlichem Verlauf, doch eines steht fest: Die Zahl rabiater Gaffer nimmt zu – auch in Pforzheim und der Region.

„Das Problem wird größer“, sagt der Bundesvorsitzende der Gewerkschaft der Polizei (GdP), Oliver Malchow. In den vergangenen fünf Jahren habe die Zahl der Gaffer, die Helfer behindern, deutlich zugenommen. Diese würden immer rabiater. Genaue Zahlen hierzu gibt es allerdings nicht. Dies ist einem Problem geschuldet, das sich nicht ohne Weiteres lösen lässt. Einsatzkräfte der Polizei, die zu einem Unfall gerufen werden, sind mit dem Unfall an sich zu beschäftigt, als das sie sich darüber hinaus noch den vermeintlichen Gaffern widmen könnten, die mit gezücktem Handy ihrer Sensationslust frönen. So fällt nicht jeder auf und kommt gar unbehelligt davon.

Raphael Fiedler, Leiter des Verkehrskommissariats Pforzheim bestätigt, um Gaffern angemessen begegnen zu können, fehle schlichtweg die „Manpower“. Zudem böten sich den Gaffern heute ganz andere Möglichkeiten: „Das liegt an der Verfügbarkeit von Handys und den sozialen Netzwerken. Früher sind die Leute eher an einem Unfall vorbeigefahren“, so Fiedler. Heute sei das Smartphone schnell in der Hand und eine Aufnahme gemacht. Allerdings macht sich der Schaulustige damit eindeutig strafbar. Laut Strafgesetzbuch gilt die „Verletzung des höchstpersönlichen Lebensbereichs durch Bildaufnahmen“, sobald Bilder oder Videos von Verletzten oder Unfallfahrzeugen gemacht werden. In einem solchen Fall darf die Polizei die Handys und Kameras der Schaulustigen einziehen. Dann drohen in der Folge empfindliche Strafen.

Um den Gaffern ihr gefährliches Hobby zu erschweren, geht man in Nordrheinwestfalen etwas andere Wege. Kommt es dort zum Beispiel zu einem Unfall auf einer Autobahn, so rücken die Einsatzkräfte mit zwei Meter hohen Sichtschutzwänden der Straßenbaumeisterei im Gepäck vor, die das Gaffen am Unfallort unmöglich machen sollen. Laut Raphael Fiedler sei dies für Baden Württemberg nicht interessant. So sei der Aufwand zu groß, immerhin müssten die Polizisten die Wände erst einmal zur Unfallstelle schaffen. Auch hierfür würde man zusätzliche Kräfte benötigen. Zudem stehe der Nutzen in Frage. Die Wände seien zwar zwei Meter groß, von einem LKW-Führerhaus aus könne man aber darüber sehen und trotzdem gaffen, so der Leiter des Pforzheimer Verkehrskommissariats.

Sinnvoller sei die Einbeziehung der Bürger. Eine direkte Ansprache eines filmenden Gaffers kann hierbei der erste Schritt sein. Zeigt sich dieser nicht einsichtig, so sollte die Polizei auf den Schaulustigen aufmerksam gemacht werden.

Umfrage

Sollten Gaffer an Unfallstellen härter bestraft werden?

Ja, das geht gar nicht. 94%
Nein, ich kann mein Handy benutzen, wann und wie ich will. 4%
Ich bin unschlüssig. 2%
Stimmen gesamt 947

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