16 seiner 32 Schüler kann Lehrer Konrad Kuld an der Fritz-Erler-Schule auf einmal unterrichten - die andere Hälfte sitzt ein Zimmer weiter. Foto:Meyer
Pforzheim
Zurück im Klassenzimmer: So lief der erste Schultag in Pforzheim ab

Pforzheim, Es ist nicht das erste Mal an diesem Montagmorgen, dass Michele Iucca die Türen aufschließt, um Schüler einzulassen. Als Hausmeister der Fritz-Erler-Schule ist er - mehr denn je - der Herr über die Schlüssel und zuständig dafür, dass nur jene die Schule betreten, die das auch dürfen. Wer außerhalb der offiziellen Öffnung ins „Erler“ hinein möchte, muss die Nummer des Sekretariats wählen, die an der Glastür klebt. Nur so geht es rein. Und zwar einzeln.

Die Schilder zeigen klar, wo es langgeht.

„Wir haben den Unterrichtsbeginn gestaffelt“, erklärt Schulleiter Martin Hoffmann die Maßnahme und laviert sich – vorbei am Atrium, das mit seinen Absperrbändern und Hinweistafeln an ein Labyrinth erinnert – entlang der Wegweiser ins Obergeschoss. Für die ersten der insgesamt 26 Klassen habe der Unterricht an diesem Tag um 7.45 Uhr begonnen. Für andere geht es dagegen erst um 8.45 Uhr oder um 9.30 Uhr los. Wie für die Landesfachklasse Immobilienkaufmann. Aus ganz Baden-Württemberg stammen die 32 Schüler, die im Juni ihre dreijährige Ausbildung mit der Prüfung beenden. An diesem Montag sitzen sie - aufgeteilt in zwei Gruppen mit jeweils 16 Schülern - in unterschiedlichen Klassenräumen, die meisten sind heute Morgen erst angereist und werden am späten Nachmittag auch wieder heimfahren.

Im einen Treppenhaus geht es ausschließlich hoch, im anderen nur runter.

Statt von 7 bis 13 Uhr dauert der Unterricht nun von 9 bis 16 Uhr, um mehr Stoff unterbringen zu können. Die Mehrheit der Schüler freut sich, wieder realen Unterricht zu haben. „Es ist einfach was ganz anderes, wenn man die Lehrer direkt vor sich hat und Fragen stellen kann“, sagt Anne. Ihre Mitschüler nicken. Masken trägt hier niemand. „Wenn man bis 16 Uhr hier sitzt, wäre die Luftzufuhr damit nicht unbedingt ideal“, erklärt Anne. Sena ergänzt, dass sie überlegt habe, eine zu tragen. „Aber als ich gesehen habe, dass es niemand macht, wollte ich auch nicht“, sagt sie. Während die eine Hälfte mit Lehrer Konrad Kuld Grundstücksrecht paukt, geht die andere mit Jutta Werner das Thema Allfinanz durch. Nach zwei Stunden wird gewechselt, „so dass am Ende des Tages hoffentlich jeder jeden mal gesehen hat“, sagt Hoffmann.

Im Gänsemarsch zum Klo

Vier Tage lang werden sie das so machen. Dann kommen neue Klassen. „Wir haben 80 Klassenzimmer, von denen jetzt schon fast alle belegt sind“, so der Rektor. 60 Lehrer unterrichten ihre Schüler nun wieder direkt, wobei fünf von ihnen im Wechsel permanent die Aufsicht im gesamten Schulgebäude übernehmen. Am ersten Tag müssen sie hauptsächlich Irrläufer einfangen, die den direkten statt den ausgeschilderten Weg nehmen wollen. Ansonsten geht es - sehr zur Freude Hoffmans - beinahe schon unheimlich gesittet zu. „Es darf ruhig so langweilig bleiben, Aufregung hatten wir genug“, kommentiert der Schulleiter das Verhalten seiner Schüler, als diese mit ausreichend Abstand im Gänsemarsch von A nach B laufen. Zum Beispiel zur Toilette. Hier zeigen kleine Schilder an den Türen - pro zugelassener Schüssel eines - ob gerade frei oder besetzt ist. „Stellenweise mussten wir kreativ werden“, erklärt der Schulleiter die Toilettenregeln.

Ist die Toilette frei oder besetzt? Schulleiter Martin Hoffmann macht vor, wie es geht.

Für Hoffmann vermittelt die Schule in diesen Tagen nicht nur Wissen, sondern auch Sicherheit. „Es geht um psychologische Unterstützung, hier geht es ja um nichts Banales, sondern die Zukunft der Schüler“, sagt der Rektor. Daher sei er froh, dass der Präsenzunterricht nun hat starten können. Ob er für alle Klassenstufen möglich sein wird, bleibt indes fraglich. 1800 Schüler zählt Fritz-Erler-Schule. „Wir werden nach jetzigem Stand, mit den geltenden Regeln nicht täglich alle beschulen können“, unterstreicht Hoffmann.

Jeder Treppenaufgang ist für die Schüler deutlich beschildert.

Das Kollegium hoffe aber, den Unterricht tageweise und im Wechsel organisieren zu können. Denn klar sei, dass nicht alle Schüler zu Hause die idealen Bedingungen für Heimunterricht hätten. „Wir wissen nicht, was kommt. Aber wir machen uns Sorgen, dass sich zum nächsten Schuljahr ein sehr unterschiedliches Bild mit Blick auf den Wissenstand ergeben könnte“, sagt der Schulleiter.

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