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Thomas Numberger (Rex-Filmpalast) unterhält sich mit Regisseur Benedict Durchholz, einem der Weltreisenden. Foto: Frommer
Thomas Numberger (Rex-Filmpalast) unterhält sich mit Regisseur Benedict Durchholz, einem der Weltreisenden. Foto: Frommer
09.05.2019

Zwei Familien lassen für ein Jahr alles hinter sich – Doku in Geiger’s Cinelounge

Pforzheim. Ein ungewöhnlicher Independent-Film mit klarem Titel: „Zwei Familien auf Weltreise“ wird gegenwärtig in Geiger’s Cinelounge an der Bahnhofstraße 30 gezeigt. Der 95-minütige Streifen dokumentiert den Ausbruch zweier junger Familien aus ihrem bisherigen Leben. Die Motivation ihrer Reise: Selbstfindung. Das Ungewöhnliche daran? Die beiden Familien haben zusammen nicht weniger als fünf kleine Kinder – und die sind immer ganz vorne mit dabei: auf Bali, Lombok und den rustikalen Gili-Inseln, in Aus-tralien, Vietnam, Sri Lanka, Neuseeland, Bangkok, Kuala Lumpur, im kambodschanischen Angkor Wat und auf Tasmanien.

Was sich liest wie das rasante Abhaken touristischer Highlights, ist (oder wird mit zunehmender Filmdauer) das genaue Gegenteil: Beide Familien – eine startet von Dortmund aus, die andere tritt ihre Weltreise von Frankfurt aus an – wollen nicht weniger als zwölf Monate unterwegs sein. Sie verkaufen Haus, Auto und alles, was sich „versilbern“ lässt und kündigen ihre Jobs. Nach mehreren Monaten Planung ist es soweit, der erste Flieger bringt sie nach Asien. Doch im Jet-Tempo geht es keineswegs weiter. Weder bei der dreiköpfigen Familie Durchholz aus Frankfurt, noch bei der sechsköpfigen Familie Braavig, die ihre Wurzeln in Norwegen hat. Alle, um es einmal mit einem glatten Modewort zu beschreiben, „entschleunigen“, bleiben länger am gleichen Ort als anfangs und nehmen sich hierbei selbst mehr und mehr wahr – insbesondere ihre aufgeweckten Kinder. Übrigens: Beide Familien sind erst nach der Weltreise zu dem Team geworden, das den jetzt vorliegenden Film gestemmt hat.

Mit Wohnmobil angereist

In der Goldstadt zeigt sich das Premierenpublikum von „Zwei Familien auf Weltreise“ unmittelbar nach der Vorführung äußerst interessiert und stellt dem eigens per Wohnmobil in den Rex-Filmpalast angereisten Cutter, Kameramann, Regisseur und Reisefilmer Benedict Durchholz zahlreiche Fragen. Bereitwillig beschreibt er das Reise-Budget der großen Familie – 40 000 Euro – und das der kleineren mit 22 000 Euro. Er macht deutlich, dass Kinder auf Reisen keineswegs pausenlos krank sind und betont, dass die schulpflichtigen Kids bei schlüssiger Argumentation durchaus auf Unterstützung seitens ihrer Schule rechnen können. Wichtige Schlüssel zur Befreiung vom Unterricht sind nach seiner Erfahrung die zeitliche Befristung der Reise, die signalisierte Bereitschaft, Klassen notfalls zu wiederholen und die Online-Teilnahme an Fernkursen. Es sind, so versichert Durchholz, „immer mehr Eltern, die sich dafür interessieren“.

Er selbst lebt mit seiner Frau Sandhya und den (inzwischen zwei) gemeinsamen Kindern auf Teneriffa. Sie gibt Yoga-Kurse, von wo aus er mit Gleichgesinnten ein Netzwerk von weltweit zwölf „Communities“ und eine Online-Plattform, beispielsweise für den Tausch von Wohnhäusern, aufbauen will. Bei der Finanzierung, so Durchholz weiter, sollen Coaching-Kurse und Tantiemen aus YouTube- und Facebook-Publikationen helfen. Von den norwegischen (Schul-)Kindern der Braavigs weiß er zu berichten, dass eines der (aufgrund der Reise fließend Englisch sprechenden) Mädchen nach anfänglichen Schwierigkeiten Klassenbeste ist – und dass alle Vier wieder auf Reise wollen und den auf Markenmoden gerichteten Konkurrenzdruck an ihrer Schulen ablehnen. rdf

Wer die Premiere von „Zwei Familien auf Weltreisen“ nicht wahrnehmen konnte, hat noch dreimal in Geiger’s Cinelounge die Gelegenheit den Film zu sehen: Samstag, 11. Mai, ab 15.50 Uhr, Montag, 13. Mai, ab 19.45 Uhr und Dienstag, 14. Mai, ab 17.30 Uhr. Weitere Infos unter http://zwei-familien-auf-weltreise.de, www.lifewithsandyandbenni.com und www.cineplex.de.