Ein 17-Jähriger soll einen Terroranschlag in Hamburg geplant haben. Der Jugendliche ist deshalb am Donnerstag von Polizei-Spezialkräften festgenommen worden. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft Hamburg war nach bisherigen Erkenntnissen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) Inspiration für das mutmaßliche Vorhaben. Demnach soll der Syrer geplant haben, eine unbestimmte Anzahl «Ungläubiger» zu töten.
Es gebe Erkenntnisse, dass der Beschuldigte verschiedene Anschlagsszenarien geplant habe, sagte die Sprecherin der Hamburger Staatsanwaltschaft, Melina Traumann. «So soll er geplant haben, entweder in einem Einkaufszentrum oder einer Polizeiwache oder einer Bar einen Anschlag zu verüben, und zwar auch mit verschiedenen Alternativen, entweder per Sprengstoff oder auch mit einem Molotowcocktail oder mit dem Messer.»
Der Jugendliche soll laut Generalstaatsanwaltschaft zur Vorbereitung Dünger, Grillanzünder, eine Sturmhaube und ein Messer beschafft haben.
Hintergründe
Laut Behörde hatten Ermittlungen des Bundesnachrichtendiensts, des Verfassungsschutzes, des Bundeskriminalamts und des Landeskriminalamts Hamburg zu der Festnahme geführt.
«Es gibt keine konkreten Erkenntnisse, dass der Beschuldigte Mitglied oder Anhänger des Islamischen Staates ist», sagte Traumann. «Es ist aber deutlich geworden, dass er mit dem Islamischen Staat, der Ideologie sympathisiert.» Die Sprecherin wollte keine Angaben darüber machen, wie sich der 17-Jährige radikalisiert hat. Auch das sei Gegenstand der weiteren Ermittlungen.
Bundesinnenminister lobt Arbeit
Bundesinnenminister Alexander Dobrindt wertet den Zugriff von Hamburg als Beleg für die gute Arbeit der Sicherheitsbehörden. «Der Verdächtige hat geäußert, dass er einen Terroranschlag plant. Bei der Durchsuchung wurden entsprechende Vorbereitungen sichergestellt», sagte der CSU-Politiker dem «Münchner Merkur».
«Auch diese Aktion zeigt: Unsere Sicherheitsbehörden sind sehr wachsam. Es gibt nach wie vor eine hohe abstrakte Gefährdung, die durch den Krieg im Iran noch einmal größer geworden ist», sagte Dobrindt. «Genau deswegen sind wir mit allen Sicherheitsbehörden in Europa und darüber hinaus eng vernetzt und haben das Gefährderpotenzial im Blick. Wir schlagen zu, wenn es konkrete Verdachtsmomente gibt.»
In der Vergangenheit hat es immer wieder Festnahmen wegen islamistisch motivierter Anschlagspläne gegeben.
- In Berlin steht ein 22 Jahre alter Syrer vor Gericht, der im vergangenen Jahr aus radikal-islamistischer Gesinnung einen Anschlag geplant haben soll.
- Im Februar 2025 wurde ein 19-Jähriger in Berlin festgenommen, weil er aus islamistischen Motiven einen Anschlag auf die israelische Botschaft vorgehabt haben soll.
- Vor dem Landgericht in Mainz müssen sich seit September zwei junge Männer wegen Verabredung zum Mord verantworten, die aus Sympathie mit dem IS einen Anschlag geplant haben sollen. Ein Dritter ist angeklagt, sie unterstützt zu haben.
- Im Mai 2025 soll ein 36 Jahre alter Syrer als mutmaßlicher IS-Terrorist einen Messeranschlag vor einer Bielefelder Bar verübt haben, bei dem vier Menschen lebensgefährlich verletzt wurden.
- Im Dezember 2025 wurden fünf Männer aus Ägypten, Syrien und Marokko wegen mutmaßlicher Anschlagspläne auf einen Weihnachtsmarkt im Raum Dingolfing festgenommen. Die Generalstaatsanwaltschaft München geht von islamistischen Beweggründen aus.
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