Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) stellt wegen der Einstufung als unerwünschte Organisation seine Arbeit in Russland ein. Das DAAD-Büro in Moskau sowie das vom DAAD verantwortete Deutsche Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) Moskau würden geschlossen, teilte die Organisation in Bonn mit.
Bundesaußenminister Johann Wadephul nannte das russische Vorgehen einen Schlag gegen die Wissenschaftsfreiheit. Er forderte eine Rücknahme der Einstufung, die einem Verbot gleichkommt. «Russland schafft so bewusst eine Atmosphäre der Angst und der Isolation. Kontakte mit dem Ausland werden zunehmend kriminalisiert», sagte der CDU-Politiker am Rande der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC).
Für russische Staatsbürger bedeutet der Kontakt zu einer unerwünschten ausländischen Organisation, dass sie Gefahr laufen, sich strafbar zu machen. Der DAAD ist nach eigenen Angaben die weltgrößte Förderorganisation für den internationalen Austausch von Studierenden und Wissenschaftlern. Mit der Einstufung kommen akademische Kontakte mit Russland fast zum Erliegen. Wadephul sagte, Russland behindere immer mehr unabhängige Wissenschaftsorganisationen systematisch an ihrer Arbeit.
Noch 200 russische DAAD-Stipendiaten in Deutschland
«Wir bedauern diese Entscheidung der russischen Regierung. In den vergangenen Jahren gab es vor Ort weiterhin Interesse an DAAD-Stipendien für Studien- oder Forschungsaufenthalte in Deutschland», sagte der DAAD-Präsident Joybrato Mukherjee. Seinen Angaben nach studieren derzeit noch etwa 200 russische Staatsbürgerinnen und Staatsbürger mit einem DAAD-Stipendium in Deutschland. Insgesamt seien an deutschen Hochschulen 10.500 Russen eingeschrieben.
Der Austauschdienst hat seit Beginn des russischen Angriffskriegs gegen die Ukraine 2022 Kontakte mit Russland eingeschränkt und keine Stipendiaten mehr dorthin entsandt. Der umgekehrte Weg aus Russland an deutsche Hochschulen sollte jedoch erhalten bleiben. Die Auswahlverfahren für Stipendien in Moskau würden gestoppt, sagte Mukherjee. Russinnen und Russen könnten sich aber aus Drittländern weiter bewerben. Dies richtet sich an die vielen Russen, die wegen des Kriegs in andere Länder geflüchtet sind.
Das russische Justizministerium hatte am Dienstag auf seiner Webseite die Einstufung des DAAD als unerwünscht öffentlich gemacht.
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