Zwei Redakteurinnen, zwei Meinungen.
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Politik
Immer mehr Geschäfte tun es: Sind Trinkgeld-Optionen bei Kartenzahlung dreist?

In der Gastronomie ist es schon normal, dass beim Zahlen mit Karte direkt auch ein Trinkgeld abgefragt wird. Nun weitet sich das auch auf den Einzelhandel aus. Ist das eine positive Entwicklung? Zwei PZ-Redakteurinnen sind unterschiedlicher Meinung.

Umfrage der Woche: Sind Trinkgeld-Optionen bei Kartenzahlung dreist?

Pro: PZ-Redakteurin Catherina Arndt

„Geschäfte setzen ihre Kunden bewusst unter Druck.“

Dass man sich im Café und Restaurant beim Kellner für guten Service erkenntlich zeigt, ist selbstverständlich. Gleiches gilt für den Taxifahrer oder das Reinigungspersonal im Hotel. Dabei handelt es sich schließlich um Dienstleistungen, die mal besser oder mal schlechter ausfallen können – und die man mit einem Trinkgeld entsprechend würdigen kann. Doch es scheint sich eine gewisse Anspruchshaltung zu entwickeln. Nicht nur in der Gastronomie, auch im Einzelhandel. Selbst dort bekommt man bei Kartenzahlung immer häufiger die Option, direkt ein Trinkgeld anrechnen zu lassen. Oft wird in diesen Fällen bis auf das Abkassieren aber kein Service erbracht. Wofür sollte sich der Kunde also erkenntlich zeigen? Geschäfte setzen ihre Kundschaft damit bewusst unter Zugzwang. Wer vor den Augen des Personals auf „0 Prozent“ tippt, gerät unter Rechtfertigungsdruck. Freiwilligkeit sieht anders aus. Hinzu kommt: Wer garantiert in Zeiten der Bargeldlosigkeit, dass das gegebene Trinkgeld tatsächlich bei dem richtigen Mitarbeiter ankommt?

Kontra: PZ-Redakteurin Anna Wittmershaus

„Es wird dadurch niemand gezwungen, einen Obolus zu entrichten.“

Die Trinkgeldoption bei Kartenzahlung ist ein probates Mittel, um Kunden die Möglichkeit zu geben, auch bargeldlos dem Servicepersonal ihre Wertschätzung entgegenzubringen. Viele tendieren dazu, gar kein Bargeld mehr mit sich zu führen. Der Bedienung im Café noch ein paar Münzen oder einen Schein in die Hand zu drücken, fällt dadurch weg. Auch das klassische „stimmt so“ funktioniert da nicht ohne Weiteres. Denn von der Karte wird der angegebene Betrag abgebucht. Wer dann Trinkgeld geben möchte, muss aktiv eine höhere Summe angeben. Die Auswahl verschiedener Prozentsätze erspart zudem die Rechnerei, wie viel Geld denn nun angemessen ist. Reicht es die Summe auf einen glatten Eurobetrag aufzurunden? Oder sollten es schon fünf Euro sein? In Deutschland sind zwischen fünf und zehn Prozent Trinkgeld des Rechnungsbetrags üblich. Doch wer rechnet das im Restaurant oder beim Bäcker im Kopf aus? Es besteht weiterhin kein Zwang, dem Personal einen Bonus zu geben. Wer kein Trinkgeld geben möchte, kann ablehnen. Auch diese Option gibt es.