Die Führerschein-Reform des Bundesverkehrsministers Patrick Schnieder (CDU) sorgt für kontroverse Diskussionen in Deutschland: Er will die Kosten für Fahrschüler senken – auch durch geringere Anforderungen. Ist das eine gute Idee – oder würde das für mehr Gefahr im Straßenverkehr sorgen? Zwei PZ-Redakteure sind unterschiedlicher Meinung.
Pro: PZ-Redakteurin Catherina Arndt
„Geringere Anforderungen sind laut Experten vertretbar.“
Rund 1200 Fragen können mittlerweile bei der Theorieprüfung für den Führerschein abgefragt werden. Dass die Anforderungen an Fahrschüler immer höher werden und so die Kosten weiter steigen, will Verkehrsminister Patrick Schnieder mit einer Reform verhindern. Und die ist dringend nötig: Aktuell kostet der Führerschein der Klasse B im Durchschnitt sage und schreibe 3400 Euro. Der entscheidende Hebel bei den Kosten sei letztendlich, wie viele Fahrstunden die Schüler brauchen, so der Fahrlehrerverband. Wie viele vor der Prüfung nötig sind, könne laut Experten reduziert werden. Die Anforderungen für Sonderfahrten seien überzogen, sagt zum Beispiel ein Unfallforscher von der Björn Steiger Stiftung. Abstriche seien dort möglich. Auch ein Vorschlag des ADAC, begleitetes Fahren mit den Eltern schon während der Fahrschulausbildung zu ermöglichen, könnte Abhilfe schaffen. Wichtig ist, die Reform zügig umzusetzen. Damit Schüler Sicherheit haben – und die Flaute bei den Schulen endlich ein Ende hat.
Kontra: PZ-Redakteur Ralf Kohler
„Meistens sind Unfälle die Folge menschlicher Fehler.“
Die Verkehrssicherheitskonferenz Anfang der Woche in Pforzheim hat das Thema Straßenverkehraus vielen Blickwinkeln beleuchtet. Dabei sagte ein Experte, die Intension, den Führerschein billiger zu machen, dürfe nicht zulasten der Sicherheit gehen. Vielfach war zu hören, dass Unfälle meist die Folge menschlicher Fehler sind und dass es wichtig ist, den Verkehrsteilnehmern das Bewusstsein für Gefahren nahezubringen (am Besten sogar immer wieder aufs Neue). Klar, technischer Fortschritt und somit immer modernere Fahrzeuge lassen darauf hoffen, dass die Menschen, die solche steuern, kaum mehr in die Verlegenheit kommen, folgenschwere Fehler machen zu können. Aber das ist Zukunftsmusik – gerade was junge Menschen angeht. Wenn sich alle hochmoderne Autos leisten könnten, was natürlich nicht der Fall ist, bräuchten wir ja auch gar keine Debatte über die Höhe der Führerscheinkosten zu führen. Wir leben nicht in einer perfekten Welt, in der man alles haben kann und das sogar sofort. Womöglich hilft also nur, einfach länger für den Führerschein zu sparen.

