Zwei Redakteure, zwei Meinungen.
picture alliance/dpa/AP | Mike Stewart
Politik
Nach Wahlkampfauftritt mit Trump: Ist der Audi-Chef noch tragbar?

Ausgerechnet der Versuch, die Probleme in den USA in den Griff zu bekommen, hat Audi eine weitere Krise beschert. Am Rande von Verhandlungen zum Bau eines Werks im US-Bundesstaat Georgia trat Audi-Chef Gernot Döllner jüngst zusammen mit US-Präsident Donald Trump auf. Die Meinungen dazu sind gespalten. Auch zwei PZ-Redakteure sind unterschiedlicher Meinung.

Pro: PZ-Redakteur Andreas Wagner

„Vorrangig geht’s darum, die Interessen des Unternehmens zu wahren.“

Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner bei einer Wahlkampfveranstaltung der Republikaner, dazu an der Seite eines rücksichtslosen US-Präsidenten, war unglücklich. Daher Döllners Rücktritt zu fordern, wie in Deutschland vereinzelt der Fall, geht zu weit. Audi hat noch kein Werk in den USA, somit Nachteile auf einem wichtigen Markt und musste handeln. Klar hätte der Autobauer seine Entscheidung nach den US-Wahlen verkünden und als Standort für das Werk statt Georgia einen von den Demokraten regierten Bundesstaat wählen können. Doch in Washington regiert zurzeit nun mal ein Republikaner, der nach Erfolgen giert. Döllner nutzte dies und schluckte auch die Kröte eines peinlichen PR-Auftritts, aber es ist anzunehmen, dass es sich für Audi oder für den gesamten VW-Konzern in Form von Förderungen oder Vergünstigungen auszahlt. In Zeiten großer Handelshemmnisse wie Zölle ist das nicht zu vernachlässigen. Für Manager wie Döllner geht’s schließlich vorrangig darum, die Interessen ihres Unternehmens zu wahren.

Umfrage der Woche: Ist der Audi-Chef noch tragbar?

Kontra: PZ-Redakteurin Petra Joos

„Döllner verspielt Glaubwürdigkeit und schadet dem Image von Audi.“

Wer ein Unternehmen führt, der hat eine Vorbildfunktion und ein hohes Maß an Verantwortungsbewusstsein. Der Auftritt von Audi-Chef Gernot Döllner in Georgia zeugt weder von der einen noch der anderen Führungsqualität. Dementsprechend groß ist die Kritik an ihm, die aus vielen Teilen der Gesellschaft kommt: vom Bürger auf der Straße über Gewerkschafter und Arbeitnehmer bis hin zu SPD-Ministern und -Länderchefs sowie dem Arbeitnehmerflügel der CDU.

Aus betriebswirtschaftlichen Gründen ein Werk in den USA zu bauen, ist angesichts der US-Zollpolitik nachvollziehbar. Das allerdings gut eine Woche vor den Midterms im Rahmen einer Wahlkampfveranstaltung mit dem amtierenden US-Präsidenten zu verkünden, verstört. Zumal das gegen die Konzernregeln verstößt. Sich im Nachgang dann darüber zu wundern, dass sein Auftritt in der Öffentlichkeit als politisches Signal wahrgenommen wird, ist scheinheilig. Als was denn bitte sonst? Döllner verspielt damit jede Menge Glaubwürdigkeit und schadet dem Image von Audi. Vorbild kann er nicht mehr sein.

VG WORT Zählmarke