Der gelbe Balken bei den Wahlergebnissen wird in Zukunft wohl nur noch aus Höflichkeit angezeigt. Mit ihren drei Prozent in aktuellen Umfragen gehört die FDP längst zu den Sonstigen. Ein Schicksal, das allen zu denken geben müsste, aber kaum noch jemand interessiert: Dabei ist das Verschwinden der Liberalen aus den Landtagen ein Verlust für die Demokratie.
Ein Kommentar von PZ-Redakteurin Katharina Lindt
Wie konnte es so weit kommen? Das Drama um das Ende der Ampel-Koalition erklärt den Niedergang nur zum Teil. Ein Blick über den Tellerrand zeigt: Wir sind nicht allein. Ob die Reform UK in Großbritannien, der Rassemblement National in Frankreich oder die PiS-Partei in Polen: In vielen westlichen und östlichen Ländern siegen rechte Populisten. Konservative und Liberale stehen gleichermaßen unter Druck.
Und das hat einen Grund: Die Antworten der FDP auf die Probleme unserer Zeit scheinen bei der Masse nicht zu verfangen. Der Zeitgeist der Polykrisen lenkt die Wahlen. Die Menschen wünschen sich einen starken Staat, wie aktuelle Erhebungen zeigen. Und jeder Fünfte liebäugelt laut Deutschland-Monitor 2025 sogar mit autoritären Ideen. Doch rechte Law-and-Order-Politik zu kopieren, reicht nicht aus.
Der Liberalismus hat es nicht einfach, denn er appelliert an die Eigenverantwortung des Menschen. Er stellt Wettbewerb an erste Stelle und lehnt Subventionen ab – in Krisenzeiten sind das unpopuläre Slogans. Doch es gibt auch eine moralische Komponente, die jenseits der wirtschaftlichen Freiheit liegt: die der Selbstbestimmung. Echter Liberalismus setzt auf Autonomie und Toleranz statt missionarischen Eifer. Er würde Gendern nicht verbieten, aber auch nicht Gegner verunglimpfen. In Zeiten der Polarisierung brauchen wir mehr denn je Liberalismus.
Die Corona-Zeit hat darüber hinaus gezeigt, wie schnell der Staat Freiheiten beschneiden kann, die selbstverständlich sind. Aus der Kritik konnte die FDP sogar Kapital schlagen – verlor in der Ampelkoalition aber endgültig die Glaubwürdigkeit. Gerade den progressiven Kern verscherbelte die Partei unter Christian Lindner wie altes Tafelsilber. Die akademische Klientel wechselte zu den Grünen, geblieben ist der Lobbyclub.
Wie kommen die Liberalen aus der Krise? Wüssten die Urgesteine des Liberalismus wie Theodor Heuss, wie elendig es ihren Nachkommen geht, würden sie ihnen raten, die Kettensäge im Schuppen zu lassen – und sich stattdessen auf ihre Wurzeln zu besinnen. Weg vom neoliberalen Kulturkampf, hin zu einer Wohlstands- und Freiheitspolitik für alle. Nur dann hätten sie eine Chance.

