Eilat. Das Heulen der Sirenen riss uns in der Nacht zum Freitag um 3 Uhr früh aus dem Schlaf. Meine Frau und ich wollten einige entspannte Urlaubstage in Eilat verbringen, der südlichsten Stadt Israels. Aus Deutschland sind unsere Kinder und Enkel mit ans Rote Meer gekommen. Eilat ist berühmt für sein tropisches Korallenriff. Luftalarme hatte es in dieser Region seit Monaten nicht mehr gegeben. Und nun saßen wir mit verstörten Kindern mitten in der Nacht in einem der Schutzräume der Ferienanlage. Aus Israel berichtet der frühere PZ-Redakteur Th. Müller.
Der Iran habe heimlich an Atombomben gebaut, hieß es weiter von israelischer Seite. Geheimdienstinformationen hätten deutlich gemacht, dass das iranische Regime bald einen Punkt erreicht habe, an dem dies nicht mehr zu verhindern gewesen sei. Dann kam eine Nachricht, die alle elektrisierte: Der legendäre Geheimdienst Mossad habe unweit von Teheran über Jahre hinweg eine geheime Drohneneinheit aufgebaut. Diese Flugkörper seien in der Nacht aktiviert worden, um die iranische Luftverteidigung auszuschalten. Der Iran wurde demnach von seinem eigenen Gebiet aus attackiert. Israel habe auch Präzisionswaffen in den Zentraliran geschmuggelt und sie in der Nähe von Raketensystemen zur Flugabwehr positioniert, erläuterten Geheimdienstvertreter. Den Berichten zufolge wurde der Angriff der israelischen Luftwaffe zudem durch den Einsatz von Mossad-Agenten unterstützt, die tief im Iran Sabotageakte verübten. So hätten die rund 200 israelischen Kampfjets wohl leichtes Spiel gehabt. Alle israelischen Piloten, die am Angriff auf Ziele im Iran beteiligt waren, sind nach Angaben des israelischen Militärs wohlbehalten zurückgekehrt.

In Israel gibt man den Europäern und den USA eine Mitschuld an der jüngsten Eskalation. Es sei bekannt gewesen, dass das Regime in Teheran Uran so hoch anreichern lasse, wie es nur für Kernwaffen erforderlich sei. Die Internationale Atomenergiebehörde habe erst dieser Tage offiziell bestätigt, dass der Iran seine Aktivitäten verschleiert und die Kontrolleure getäuscht habe. Der Oberste Führer Chamenei habe mehrfach öffentlich erklärt, dass Israel von der Landkarte getilgt werden müsse. Der Westen habe nach israelischen Einschätzungen dazu meist geschwiegen. Die israelische Regierung werde aber keinen „nuklearen Holocaust“ zulassen, hieß es dazu aus Jerusalem. Deshalb gab es innerhalb des Landes auch kaum Kritik an dem Militäreinsatz. Er sei nötig gewesen, um Israels Existenz zu sichern.

Kampfdrohnen, Marschflugkörper und ballistische Raketen
Wir als Familie blieben wie vorgeschrieben in der Nähe von Schutzräumen und lenkten die Kinder mit verschiedenen Spielen ab. Die Nachrichtenseiten meldeten, 100 iranische Kampfdrohnen seien im Anflug. Sie würden gemeinsam von israelischen, amerikanischen, britischen und jordanischen Kampfjets bekämpft. Erwartet würden zudem Marschflugkörper und ballistische Raketen. Es geschah – nichts. Um 10.47 Uhr verschickte der Heimatschutz die Meldung, dass man sich nicht mehr bei den Schutzräumen aufhalten müsse. Alle Kampfdrohnen seien abgeschossen worden, es seien keine Raketen mehr im Anflug.

Die Erleichterung war groß, obwohl die weiteren Einschränkungen bestehen blieben. Als dann ein Hotelvertreter bekannt gab, dass der Pool wieder geöffnet wird, rannten Kinder und Jugendliche jubelnd ins Wasser – schließlich zeigte das Thermometer 37 Grad im Schatten. Man müsse aber jederzeit mit neuen Alarmen rechnen, sobald der Iran sich reorganisiert habe, warnten die Verantwortlichen.
Dieser Freitag, der 13. Juni, sei ein historischer Tag, der den Nahen Osten verändern werde, sagte Regierungschef Netanjahu. Wir haben diesen Tag live miterlebt. Ich hätte gerne darauf verzichtet.
Schauplätze des israelischen Angriffs im Iran
Israel hat bei seinem Angriff auf iranische Städte und Atomanlagen Dutzende Ziele bombardiert. Dabei wurden hochrangige Offiziere und führende Wissenschaftler getötet sowie Militäreinrichtungen und Standorte der Nuklearindustrie getroffen. Israel griff nach Militärangaben in der Nacht mit etwa 200 Kampfflugzeugen mehr als 100 Ziele im Iran an. Der Iran hat viele Ziele davon bestätigt.

Bei dem Militärschlag wurden sechs führende, großteils auf Nukleartechnik spezialisierte Wissenschaftler getötet – darunter Abdulhamid Minutscher, Amirhossein Faghihi, stellvertretender Direktor der iranischen Atomenergieorganisation, und Fereydun Abbasi, der frühere Leiter des iranischen Atomprogramms.
Ausgeschaltet wurden bei den Angriffen auf ihre Wohnungen in Teheran auch bedeutende Teile der Militärführung: die Generalmajore Hussein Salami, Kommandeur der Revolutionsgarden, Irans Elitestreitmacht, Mohammed Bagheri, Generalstabschef, Gholam-Ali Raschid, Kommandeur des zentralen Hauptquartiers Chatam al-Anbija, der Brigadegeneral Amir Ali Hadschisadeh, der als Architekt des iranischen Raketenprogramms galt, und General Mehdi Rabbani, Stellvertreter für Operationen im Generalstab der Streitkräfte.

Auch attackierte Israel Militäreinrichtungen und Atomanlagen wie die Nuklearanlage Natans, den Schwerwasserreaktor Arak und den Nuklearkomplex Partschin.
Im Westiran waren die Städte Ghom, Chorramabad, Hamedan Kermanschah, Ilam, Tabris und Piranschahr Ziel von Angriffen. dpa


