Die PZ-Redakteure Andreas Wagner und Dominique Jahn sind unterschiedlicher Meinung.
picture alliance/dpa/ARD Das Erste | Marc Schueler
Politik
Pro und Kontra: Sollte den USA die WM entzogen werden?

Die Fußball-Weltmeisterschaft findet in diesem Jahr in den Vereinigten Staaten, Kanada und Mexiko statt. Zurecht oder sollte man das Turnier kurzfristig nicht doch verlegen? Das sagen zwei PZ-Redakteure.

Pro: PZ-Redakteur Andreas Wagner

„Die US-Regierung ist gastfeindlich, die WM-Verlegung wäre ratsam“

„Keiner will da hin, aber wir müssen.“ Das sagte Artemio Franchi als Uefa-Chef im Vorfeld der WM 1986, die in Kolumbien stattfinden sollte. Das Land versank im Drogenkrieg und gab schließlich die WM zurück. 2026 stellt sich die Frage, ob die USA unter Trump der richtige Ausrichter sind. Trump droht demokratisch regierten Städten mit der Streichung als Spielort, rät dem Iran von der Teilnahme ab. Seine Regierung stiftet nur Chaos und Unfrieden. Für Menschen vieler Länder gelten Einreiseverbote oder -beschränkungen, Ausnahmen für die WM sind nur für die Teams angekündigt, nicht für Fans. Auch wird die Fußballbegeisterung in den USA von Migranten aus Lateinamerika getragen – viele von ihnen will Trump aus dem Land werfen. Die US-Regierung ist gastfeindlich, die WM-Verlegung wäre ratsam. Europa mit Kanada wäre eine Alternative. Für 2026 ist das nicht zu organisieren, man sollte den Sommer 2027 anpeilen. Eine kurzfristige Verlegung war schon mal möglich, in der Pandemie: EM und Olympia 2020 fanden 2021 statt.

Umfrage der Woche: Sollte den USA die WM entzogen werden?

Kontra: PZ-Redakteur Dominique Jahn

„Ein Entzug wäre ein problematisches Signal für künftige Turniere“

Wenn es so leicht wäre, na klar. Ist es aber leider nicht. Und eines gleich vorneweg: Fifa-Präsident Gianni Infantino gilt als enger Verbündeter von Donald Trump, ein WM-Entzug ist also ohnehin unrealistisch. Leidtragende wären sowieso vor allem die Fans, die längst Tickets, Flüge und Hotels gebucht haben und sich seit langem auf die WM freuen. Auch die vielen freiwilligen Helfer stünden plötzlich ohne Job da. Eine kurzfristige Neuvergabe des XXL-Turniers ist praktisch unmöglich. Kanada sowie Mexiko können das auf die Schnelle nicht alleine stemmen. Eine Absage oder Verschiebung, etwa ins kommende Jahr, würde zudem den internationalen Spielkalender ins Chaos stürzen. Darüber hinaus träfe es besonders junge Spieler, für die ein solches Turnier das Highlight ihrer Karriere ist. Es bleibt also nur eines: zur WM fahren, spielen, Politik außen vor lassen und hoffen, dass die WM wieder Menschen weltweit vereint. Eine Aberkennung würde den Sport nur politisieren, seine verbindende Rolle schwächen und zudem ein problematisches Signal für künftige Turniere senden.

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