Berlin/Pforzheim. Einen Termin bei Fachärzten in Deutschland zu bekommen, erfordert Geduld. Vielen dauert es zu lange. Nun werden Rufe nach der Politik laut.
Jeder vierte gesetzlich Versicherte wartet in Deutschland länger als 30 Tage auf einen Facharzt-Termin. 30 Prozent empfinden die Wartezeit als zu lang, wie aus einer Umfrage des Krankenkassen-Spitzenverbands weiter hervorgeht.
Die Krankenkassen fordern ein Eingreifen des Gesetzgebers. In der Koalition wird eine Beschleunigung der Terminvergabe mit vorgeschalteter Hausarzt-Pflicht versprochen. Die Deutsche Stiftung Patientenschutz verlangt, der „Kassenärzte-Lobby“ die alleinige Verantwortung für die Ärzte-Erreichbarkeit zu nehmen.


Neuer Chefarzt der Wirbelsäulenchirurgie am SRH Klinikum Karlsbad-Langensteinbach
Nur jede und jeder Zweite kann laut der Umfrage innerhalb von zehn Tagen die angefragte Fachärztin oder den Facharzt sprechen. 30 Prozent der befragten Versicherten gaben an, dass es zuletzt schwierig war, einen Termin bei einem Facharzt zu erhalten. Bei den Befragten mit einem schlechten Gesundheitszustand waren es sogar 35 Prozent. In Hausarztpraxen warten hingegen 25 Prozent nur länger als drei Tage – ein Viertel suchen ihre Hausarztpraxis ohne Termin direkt auf. Die Wartezeiten bei Hausarztpraxen sind für 51 Prozent „genau meinen Wünschen entsprechend“. 35 Prozent finden sie als „noch akzeptabel“. 14 Prozent sind unzufrieden. Bei Fachärzten hingegen sind für 30 Prozent der Versicherten die Wartezeiten „zu lang“ oder „viel zu lang“. Die Kassen sehen „dringenden Handlungsbedarf“ bei den Facharzt-Terminen, so die Verbandsvize Stefanie Stoff-Ahnis. Patienten wünschten sich eine mit der modernen Lebens- und Arbeitswelt vereinbare Versorgung und flexible Öffnungszeiten in den Praxen.
Der Kassenverband schlägt eine gesetzliche Regelung für ein tagesaktuelles Onlineportal vor. Vorher soll nach den Vorstellungen festgelegt werden, welchen Anteil ihrer Zeit die Praxen für GKV-Termine aufwenden müssen. In dem Portal sollen alle Praxen ihre Termine zur Verfügung stellen.


Patientenschützer: Fachärzte müssen Befunde erläutern
Niedersachsens Gesundheitsminister Andreas Philippi (SPD) unterstützt Ankündigungen der schwarz-roten Koalition im Bund für schnellere Facharzt-Termine. Patienten sollen dafür zuerst zum Hausarzt gehen. „Unser Ziel ist es, dass Haus- und Kinderärzte Patientenströme besser steuern und an Fachärzte übermitteln – mit der Garantie, innerhalb von vier Wochen einen Facharzt-Termin zu bekommen“, sagte Philippi. „Wenn dies länger als vier Wochen dauert, sollen die Patienten einen Termin im Krankenhaus bekommen.“
Hausärzte bewerten Vorschlag als realistisch
Schneller zum Facharzt dank Hausarzt-Besuch: Diese Regelung begrüßt die Bundesvorsitzende des Hausärzteverbands Nicola Buhlinger-Göpfarth. „Es ist sinnvoll und notwendig, dass die Regierung mit dem geplanten Primärarztsystem auf diese hausärztliche Koordination setzt“, sagt die Pforzheimerin.
Lange Wartezeiten entstünden, weil es in Deutschland ein ungesteuertes System gebe. Dass eine Vergabe binnen vier Wochen realistisch sei, zeige Baden-Württemberg. Hier werde das Primärarztsystem in Teilen bereits gelebt. Dass alle Patienten umgehend Termine nach Wunsch erhielten, sei weder möglich noch nötig. „Entscheidend ist eine zeitnahe Versorgung, wenn sie medizinisch notwendig ist.“ Eine automatisierte Terminvergabe über einen Bot, wie ihn der GKV-Spitzenverband fordert, lehnen die Hausärzte ab. „Die Überweisung in die passende Versorgungsebene ist komplex.“



