Fernreisen nach Asien, Afrika oder in die USA sind toll, allerdings nicht fürs Klima. Doch ist es tatsächlich an der Zeit, komplett auf lange Flüge zum nächsten Urlaubsort zu verzichten? Zwei PZ-Redakteure vertreten unterschiedliche Positionen.
Pro: Katharina Lindt, PZ-Redakteurin
Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal eine Fernreise unternommen? Wahrscheinlich liegt sie schon ein paar Jahre zurück. Das legt jedenfalls die alljährliche Analyse der Forschungsgemeinschaft Urlaub und Reisen e.V nahe. So machen Fernreisen nur etwa acht Prozent aller Urlaubsreisen aus. Ein großer Teil davon entfällt auf Vielflieger – etwa Geschäftsreisende und Besserverdienende. Das soll die Klimaschädlichkeit von Langstreckenflügen nicht kleinreden: In Europa verursachen Flüge über 4000 Kilometer fast die Hälfte der CO2-Emissionen des Luftverkehrs.
Doch der größere Hebel, Emissionen zu verringern, liegt anderswo: in der Abschaffung von Steuerprivilegien für Superreiche. Das reichste Prozent verursacht ein Vielfaches der Emissionen eines Durchschnittsbürgers – Privatjets sind dafür das sichtbarste Symbol. Ein schlechtes Gewissen scheint diese Klasse nicht zu haben – stattdessen werden Normalbürger, die sich einmal im Leben eine Fernreise leisten, in die Klima-Ecke gestellt.
Kontra: Ralf Kohler, PZ-Redakteur
Wer eine Freundin in Kanada hat, Verwandte in Vietnam beziehungsweise Australien oder wer mit dem Rad bis nach Südafrika fahren will, soll natürlich weiter dorthin reisen dürfen. Wenn es aber schlicht um Tapetenwechsel und Erholung geht, gilt mehr denn je: Warum denn in die Ferne schweifen, wenn das Gute liegt so nah?
Reduziert sich die Zahl der Flüge, ist das gut fürs Klima. Der Klimawandel und seine Folgen machen sich ja bereits bemerkbar. Wenn man dem irgendetwas Positives abgewinnen mag, dann, den, dass der Sommer vor der Haustür ist. Ansonsten hat das Unbekannte zwar seinen Reiz, doch es birgt auch Risiken. Die Gefahr irgendwo auf der Welt Opfer einer Naturkatastrophe zu werden oder in einen Konflikt zu geraten, ist sicher nicht zu unterschätzen. Sein Geld in Deutschland oder im nahen Ausland auszugeben, ist gut für die heimische Wirtschaft. Und ein etwas längerer Aufenthalt in den Alpen, in der Eifel, an Nord- oder Ostsee kann auch den Zusammenhalt stärken, was in diesen schwierigen Zeiten unbedingt nötig ist.

