Zwei Redakteure, zwei Meinungen.
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Politik
Sonntagsfahrverbot für Lkw aufheben: An dieser Frage scheiden sich die Geister - auch in der PZ

Pforzheim. Die Pegel von Seen und Flüssen sinken angesichts der Hitze immer weiter. Das hat wirtschaftliche Folgen: Da der Rhein als wichtigste Wasserstraße Deutschlands nicht mehr für alle Schiffe befahrbar ist, sind einige Bundesländer dazu übergegangen, das Sonntagsfahrverbot für Lastwagen zu lockern, um den Gütertransport sicherzustellen. Auch Baden-Württemberg zählt dazu. Ist das gut? Zwei PZ-Redakteure sind unterschiedlicher Meinung.

PRO: PZ-Redakteur Lothar Neff

„Die Logistikbranche braucht mehr Flexibilität.“

Deutschland braucht leistungsfähige Lieferketten und mehr Flexibilität, um außergewöhnliche Situationen wie das aktuelle Niedrigwasser bewältigen zu können. Eine Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen wäre sinnvoll.

Aus Sicht der Logistikbranche spricht einiges dafür, die bestehenden Regelungen grundsätzlich zu modernisieren. Niedrigwasser, Störungen auf der Schiene, Grenzkontrollen oder Produktionsspitzen können innerhalb kürzester Zeit erhebliche zusätzliche Transportvolumen beanspruchen.

Ein weiterer Vorteil: Lastwagenfahrer könnten ihre Tour beispielsweise noch bis zum heimischen Betriebshof oder einem sicheren Parkplatz fortsetzen, anstatt am Wochenende an ohnehin überfüllten Rastanlagen übernachten zu müssen. Das wäre aus sozialer Sicht durchaus sinnvoll.

Vielleicht würden dann auch zusätzliche Mitarbeiter am Steuer der Trucks gefunden, denn die Speditionsbranche leidet massiv unter dem Fachkräftemangel.

Umfrage der Woche: Sonntagsfahrverbot für Lastwagen aufheben?

KONTRA: PZ-Redakteurin Petra Joos

„Probleme auf die Straße zu verlagern, ist die schlechteste Lösung.“

Für den Moment scheint es aufgrund des Niedrigwassers keine andere Lösung zu geben, um die Lieferketten aufrechtzuerhalten. Zwar ist die Aufhebung des Sonntagsfahrverbots für Lastwagen bis Ende September befristet, aber Ausnahmen werden auch gerne mal zur Regel. Das wäre fatal. Denn wenn ein Verkehrsweg in unserem Land chronisch überlastet ist, dann ist das die Straße. Zu Ferienzeiten wie jetzt ohnehin.

Deshalb zeigt diese Momentaufnahme – mal wieder –, wie wichtig es ist, endlich damit anzufangen, wovon die Politik schon lange immer nur redet: die Verkehrswende umzusetzen. Es müssen viel mehr Güter auf die Schiene, aber das ist immer noch viel zu teuer und für Spediteure unwirtschaftlich. Seit Jahren ist das Problem bekannt, passiert ist nichts.

Und die Wasserwege? Vor dem Hintergrund des fortschreitenden Klimawandels ist es dringend geboten, die Widerstandsfähigkeit der Flüsse zu erhöhen und mehr auf niedrigwasseroptimierte Schiffe zu setzen. Alle Probleme immer nur auf die Straße zu verlagern, ist die schlechteste aller Lösungen.

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