Zwei PZ-Redakteure sind bei dem Thema unterschiedlicher Meinung.
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Politik
Tempolimit zum Spritsparen einführen? Das sagen zwei PZ-Redakteure

Trotz neuer Spritregel sinkt der Preis an der Zapfsäule nur langsam, mögliche Zölle an der Straße von Hormus sorgen für Unsicherheit am Ölmarkt. Wäre hierzulande ein Tempolimit eine Möglichkeit, um kostbaren Sprit zu sparen? Zwei PZ-Redakteure sind unterschiedlicher Meinung.

Pro: PZ-Redakteurin Catherina Arndt

„Ein Tempolimit wäre einfach umzusetzen und effektiv.“

In der aktuellen Lage ein Tempolimit einführen – das ist der stärkste Hebel, den die Bundesregierung hat, um die Kosten für Verbraucher zu senken und den Bedarf an teurem Öl zu reduzieren. Das Umweltbundesamt schreibt, dass bei gleicher Strecke ein Auto mit einer mittleren Geschwindigkeit von 100 statt 120 Kilometern pro Stunde rund 15 Prozent Kraftstoff spart — und damit ungefähr auch 15 Prozent der Spritkosten. Wenn viele Menschen insgesamt weniger Kraftstoff nachfragen, sinkt der Bedarf auf dem Ölmarkt; das kann den Preisdruck nach unten erhöhen – und damit für sinkende Preise an den Zapfsäulen sorgen.

Ein Tempolimit wäre einfach umzusetzen und effektiv. Dazu kommt: Das Statistische Bundesamt meldete für 2024, dass bei Geschwindigkeitsunfällen auf Autobahnen 121 Menschen starben — das waren 43 Prozent aller auf Autobahnen Getöteten. Ein Tempolimit wirkt sich also nicht nur unmittelbar auf die Verbraucher aus – sondern erhöht auch die Sicherheit auf den Straßen.

Umfrage der Woche: Tempolimit zum Spritsparen einführen?

Kontra: PZ-Redakteur Lothar Neff

„Die Fahrtzeiten würden sich durch ein Tempolimit nur verlängern.“

Schon vor Jahrzehnten haben die Grünen aus ideologischen Gründen einen Spritpreis von fünf Mark pro Liter gefordert – aufgrund des Kriegs im Iran hat Dieselkraftstoff diese Marke inzwischen fast erreicht. Auch die politische Forderung nach einem Tempolimit ist nicht neu: Doch aktuelle Studien zeigen, dass ein Tempolimit von 120 Kilometern pro Stunde den CO2-Ausstoß des Gesamtverkehrs in Deutschland nur geringfügig senken würde. Auch die Spritersparnis hält sich in Grenzen, wobei das kein Freibrief zum Rasen sein soll. Schon heute sorgen die vielen Baustellen und Geschwindigkeitsbeschränkungen für lange Verzögerungen. Die Fahrtzeiten würden sich durch ein Tempolimit nur weiter verlängern.

Viele Autofahrer halten sich schon lange freiwillig an die Richtgeschwindigkeit von 130 als Ausdruck von Eigenverantwortung und Kostenbewusstsein. Um Pendler tatsächlich finanziell zu entlasten, wäre es sinnvoller, die prallen Gewinne der Mineralölkonzerne abzuschöpfen, die von den massiv gestiegenen Spritpreisen am meisten profitieren.