Respekt in der Politik vor Andersdenkenden scheint ausgedient zu haben, kommentiert der Geschäftsführende PZ-Verleger Thomas Satinsky.
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Politik
Wo bleibt der Respekt? Der Staat funktioniert nur durch ein demokratisches Miteinander

Es geht in der Grundschule los – bereits in der ersten Klasse. So wie in Jahrzehnten zuvor stören manche Schüler den Unterricht. Zum Tragen kommt dann nach zig Ermahnungen die Strafarbeit. Im Unterschied zu früher melden sich Eltern in der Schule mit den Worten: „Mein Kind schreibt keine Strafarbeit. Das sieht unsere Erziehung nicht vor.“ Ja, geht’s noch? Es gibt Schulregeln. An die haben sich alle zu halten. Das zeugt von gegenseitigem Respekt. Aber der geht mehr und mehr flöten in unserer Gesellschaft.

Ein Kommentar vom Geschäftsführenden PZ-Verleger Thomas Satinsky

Respekt in der Politik vor Andersdenkenden scheint ausgedient zu haben. Beispiel AfD-Parteitag vom vergangenen Wochenende: Das linke Bündnis „Widersetzen“ droht den etablierten Parteien. Parallel dazu werden Journalisten – und damit die Pressefreiheit – niedergetreten mit der Begründung, dass sie Faschisten oder Nazis seien. Belege dafür gibt es nicht.

Die Studien über die schlechten Einflüsse der Sozialen Medien, die Kommentarfunktionen der Online-Foren oder Talkshows sind nicht neu. Doch der Hang zu Beleidigungen, Fäkalausdrücken, Mobbing oder Hass nimmt massiv zu. Besonders Kinder und Jugendliche sind dafür empfänglich. Respektlosigkeit gegenüber Autoritätspersonen wie Lehrern wird als normal begriffen – eine gefährliche Entwicklung für unser Staatsgebilde. Denn es geht nicht um den inhaltlichen Diskurs, sondern um Verachtung.

Damit werden Rettungskräfte und die Polizei tagtäglich konfrontiert. Ordnungshüter sind immer häufiger Opfer gezielter Gewalttaten, werden beschimpft und angegriffen. Problematisch dabei ist, dass solche Straftaten meist nur halbherzig verfolgt und Verfahren eingestellt werden. Die Täter kommen ungestraft davon. Polizistinnen und Polizisten fehlt der juristische Rückhalt. Ein starker und konsequenter Staat sieht anders aus.

Das hat nichts mit „Polizeistaat“ oder „patriarchaler Erziehung“ zu tun, sondern mit einem respektvollen Miteinander in einer demokratischen Gesellschaft. Wenn aber die gegenseitige Wertschätzung immer weniger wert ist, dann verroht unsere Gemeinschaft.

Politiker haben die Chance, dieser Entwicklung gegenzusteuern. Dazu müssten sie allerdings die Berliner Blase verlassen, sich auf Augenhöhe mit dem Volk begeben, nicht nur bei Parteiveranstaltungen im Wahlkreis. Politik muss begreifen, dass mit Sonntagsreden und haltlosen Versprechen kein Staat mehr zu machen ist. Respekt gewinnt man durch Ehrlichkeit, auch wenn die Wahrheit wehtut.