Geselligkeit wird bei den „Flippers“ groß geschrieben.
Ob „Tour de Ländle“ oder Kraichgau-Route: Die Musiker radeln gerne.
Mühlacker
40 Jahre Flippers: Selbst Papageien pfeifen ihre Lieder

Trifft man sich mit den „Flippers“ im Karlshäuser Hof, bleibt man nicht lange ungestört. Manfred Durban, Bernd Hengst und Olaf Malolepski werden häufig angesprochen. Überrascht waren die Musiker aber doch, als eine Golferin ihnen erzählte, das selbst ihr 20 Jahre alter Graupapagei „Flippers“-Lieder mitsinge. Was sie zum 40-jährigen Bühnenjubiläum vorhaben, erzählten die „Flippers“ PZ-Redakteurin Nadine Schmid.

PZ-news: Sie treten seit über 40 Jahren miteinander auf – sind Sie Kollegen oder Freunde?
Bernd Hengst: Wir sind in Freundschaft verbundene Kollegen.

PZ-news: Es gibt rund 530 Lieder der „Flippers“. Welches sind Ihre Lieblingslieder?
Manfred Durban: Das ist schwierig zu beantworten. Wenn wir welche spielen, die ich schon lange nicht mehr gehört habe, spiele ich die wieder extrem gerne.
Hengst: Mein Lieblingslied ist „Liebe ist nicht nur eine Nacht“.
Olaf Malolepski: Unsere wichtigsten Lieder sind „Weine nicht, kleine Eva“, mit dem wir 1969 den Durchbruch geschafft haben, und „Die rote Sonne von Barbados“, mit dem wir 1986 nach einer Durststrecke wieder erfolgreich durchgestartet sind.

PZ-news: All Ihre Songs aneinandergereiht, könnte man 28 Stunden „Flippers“ hören. Über einen Tag lang Schlager – haben sie nie etwas anderes gespielt?
Durban: Wir haben erkannt, dass wir das am besten können.
Malolepski: Früher, als wir Tanzmusik gespielt haben, haben wir alle Hits gespielt, die auch im Radio liefen. Es hat sich aber gezeigt, dass wir am erfolgreichsten sind, wenn wir auf Deutsch singen.

PZ-news: Angefangen haben Sie als „Dancing Show Band“. Warum wurden daraus 1969 „Die Flippers“?
Hengst: Damals lief gerade die Fernsehsendung mit dem Delfin Flipper. Der war total beliebt. Wir haben uns gedacht: Bingo, der Name ist schon bekannt. Außerdem hatten wir damals „Weine nicht, kleine Eva“ aufgenommen und der Titel passte einfach überhaupt nicht zu einer „Dancing Show Band“.

PZ-news: Erwähnt man die „Flippers“, bekommen viele Frauen, die heute 50 plus sind, leuchtende Augen und erzählen von durchtanzten Samstagnächten in den Turnhallen der Region. Welche „Flippers-Zeit“ hat Ihnen am besten gefallen?
Durban: Zwar war auch die Tanzmusik-Zeit super, aber mir gefallen die Konzerte am besten, die wir jetzt seit 18 Jahren spielen. Die Besucher sitzen, hören uns zu, sehen, was auf der Bühne passiert – das ist ein intensiverer Kontakt, als wenn wir auf der Bühne stehen und in der Halle getanzt wird. Man kriegt die Reaktionen der Zuhörer nicht so mit. Da hat man als Band einfach weniger Kontakt, ist austauschbarer.
Malolepski: Wir sind mit unserem Publikum mitgegangen. Die Ansprüche haben sich verändert. Unvergesslich finde ich trotzdem die Zeit, als wir an den Wochenenden von Konzert zu Konzert gefahren sind. In der Zeit waren meine Frau und meine Kinder mit dem Wohnmobil immer dabei. Aber die Tanzmusik-Zeit war schon anders. Wir haben drei Lieder gespielt, dann ist man an die Bar, hat geschaut, wer da ist. So habe ich auch meine Frau kennengelernt.
Hengst: Wie wir heute arbeiten, entspricht mir als Familienmensch. Konzentriert ein Vierteljahr auf Tournee, meine Frau ist dabei. Während der anderen Monate Aufnahmestudio und texten, damit komme ich gut klar. Bei mir war das früher anders. Ich hatte von Mitte der 70er bis Mitte der 80er wenig Zeit für meine Familie. Das war unsere Durststrecke. Wir sind viel getingelt, einfach um Geld zu verdienen.

PZ-news: Dachten Sie ans Aufhören?
Durban: Währenddessen hat der Job weniger Spaß gemacht. Und da war es tatsächlich knapp davor, dass wir es gelassen hätten. Aber dann kam „Die rote Sonne von Barbados“ und seitdem gab's Preise und Hits – das war die Wende.

PZ-news: Die „Kleine Eva“ stammt mit aus der Feder von Bernd Hengst. Schreiben Sie ihre Lieder heute noch selbst?
Malolepski: Teilweise. Insgesamt sind über 100 unserer rund 530 Titel selbst geschrieben. Heute läuft es in der Regel so, dass wir Lieder von Autoren aus ganz Deutschland zugeschickt bekommen. Wir treffen eine Vorauswahl und setzen uns, gern in einer Runde mit Freunden und Nachbarn, bei Käse und Wein zusammen und überlegen uns, welche wir letztendlich einspielen.

PZ-news: Sie leben in Knittlingen und Bretten. Also ist es sicher Knittlinger Wein?
Durban: Bei mir schon.
Malolepski: Am liebsten trinke ich Weine aus der Region.
Hengst: Apropos Wein. Mehr als ein Viertel Rotwein ist schlecht für die Stimmbänder. Das hat mir mal ein Arzt erklärt. Die Gerbsäure im Roten zerstört die wichtigen Bakterien im Hals. Weißwein ist da unbedenklicher. Und Hopfen, Malz und Wasser machen gar nichts.

PZ-news: as heißt, vor dem Auftritt gibt es keinen Rotwein?
Hengst: Vorher gibt's ein Glas Sekt zur Einstimmung. Ansonsten passen Alkohol und Auftritt nicht zusammen. Wir sind ja keine Rockband.
Malolepski: Nein, früher waren wir eine Popband. Heute werden wir als Schlagerband behandelt – so ändern sich die Zeiten.

PZ-news: Am Beliebtesten sind Sie hier in der Region – Ihrer Heimat. Wann spielen Sie wieder in Knittlingen?
Durban: Knittlingens Bürgermeister Heinz-Peter Hopp fragt immer wieder an. Aber es gibt einfach keine geeignete Halle für den Standard an Technik, den wir mittlerweile haben. Im Gespräch war auch schon ein Open-Air auf dem Fauststadtfest. Aber in der Marktstraße ist es zu eng. Da sehen die hinten Stehenden nichts. Es würde nur in einem großen Zelt gehen. Und dafür gibt es noch keine Planungen. Trotzdem würden wir gerne mal wieder in Knittlingen spielen, das letzte Mal ist immerhin zehn Jahre her.
Malolepski: Im Schnitt spielen wir vor 3500 Zuhörern. In den großen Hallen, wie der Westfalenhalle in Dortmund, sind es bis zu 10.000 Besucher. Aber wir spielen auf unserer Tournee zum 40-jährigen Bestehen der „Flippers“ auch in Pforzheim und Karlsruhe, weil hier unsere Heimat ist und unsere Fans sind.

PZ-news: Ihre Fans sind hauptsächlich weiblich.
Malolepski: Ja, das stimmt. In den Konzerten sind nur rund 40 Prozent Männer, das sind aber meistens die, die von ihren Frauen mitgenommen werden. Interessanterweise wurde aber mal herausgefunden, dass 70 Prozent der Käufer unserer Platten Männer sind.
Hengst: Die schenken das dann ihren Frauen. So sind Frauen – clever. Sie lassen sich schenken, was sie wollen.

PZ-news: Vor allem die Frauen über 40 scheinen es Ihnen angetan zu haben.
Malolepski: Eines unserer aktuellen Lieder ist den Frauen über 40 gewidmet. Und es stimmt, dass diese Frauen in der Regel wissen, was sie wollen, und nicht drumherumreden.
Hengst: Seit unserer Anfangszeit haben sich die Frauen aber auch verändert. Früher haben sie sich mehr sagen lassen (lacht, weil er weiß, was jetzt kommt).

PZ-news: Und das war besser?
Hengst: Hab ich nicht gesagt, nur anders.

„Die Flippers“

Bernd Hengst (* 18. April 1947 in Karlsruhe), Olaf Malolepski (* 27. März 1946 in Magdeburg) und Manfred Durban (* 28. September 1942 in Ölbronn) bilden die deutsche Schlager-Musikband „Die Flippers“. Die Band besteht unter diesem Namen seit 1969.

In den Vorgängerformationen „Dancing Band“ und „Dancing Show Band“ war Durban (Schlagzeug, Trompete) 1964 Gründungsmitglied. Hengst (Gitarre, Gesang) stieg 1965 ein und Malolepski (Gitarre, Gesang) 1967. Bis 1984 waren die Musiker in wechselnder Besetzung zu sechst unterwegs, seitdem sind die Herren als Trio aktiv.

Hengst und Durban wohnen seit vielen Jahren in Knittlingen, Malolepski in der Nachbarstadt Bretten. Alle Musiker sind verheiratet und haben Kinder. nad