Pforzheim/Enzkreis/Kreis Calw. Die Hitzewelle mit Rekordwerten bis 40 Grad bereits im Juni und zehn Hitzetagen samt tropischer Nächte verursachte dramatische Folgen in der Natur. Besonders betroffen seien Gebäudebrüter wie Mauersegler, Schwalben und Haussperlinge, wie der Naturschutzbund Pforzheim-Enzkreis (Nabu) mitteilt. Ihre Nistplätze unter Dächern und in Gebäudenischen heizen sich bis auf 60 Grad und mehr auf.
Um der tödlichen Hitzefalle zu entfliehen, stürzten sich vielerorts noch nicht flugfähige Jungvögel auf der Suche nach einem kühleren Ort aus dem Nest. Die Folge: sehr viele tote, verletzte und geschwächte Tiere, die zum Teil in Pflegestationen gebracht wurden. Aus dem Grund sei die Kapazität vieler Vogelpflegestationen erschöpft gewesen und ein Aufnahmestopp war die Folge.
Immer frühere und intensivere Hitzewellen treffen viele Tiere mitten in der Brut- und Aufzuchtzeit. Unter den Arten gibt es deutlich mehr Klimaverlierer als -gewinner. „Die Landesregierung darf das Ehrenamt mit dieser Krise nicht allein lassen“, warnt der NABU-Landesvorsitzende Johannes Enssle. Er fordert Landwirtschaftsministerin Marion Gentges daher auf, das seit rund zehn Jahren angedachte und im Koalitionsvertrag angekündigte Konzept für Wildtierauffangstationen endlich mit hoher Priorität anzugehen.
„Die wenigen Wildtierauffangstationen und ehrenamtlichen Pflegestellen im Land sind permanent überlastet. Ihre Arbeit beruht zu einem großen Teil auf privater Initiative, Spenden und dem außergewöhnlichen Einsatz von Ehrenamtlichen. Doch durch extreme Wetterereignisse steigen die Zahl der Notfälle, der Pflegeaufwand und die Kosten. Es ist Zeit zu handeln“, so Enssle.
Akute Notfallhilfe bei Vögeln:
- Nistplätze in praller Sonne können zu Todesfallen werden. Damit junge Mauersegler und Schwalben nicht überhitzen, fliehen sie mitunter aus dem Nest. Wer an Hitzetagen einen gefiederten Jungvogel (Ästling) unterm Nest findet, sollte erst prüfen, ob dieser von den Eltern versorgt wird. Ist der Vogel unverletzt, dann am besten in ein Gebüsch etwas erhöht setzen und dort in einer flachen Schale Wasser anbieten. Sind die Eltern da, kann der Ästling dort bleiben.
- Bei unbefiederten Jungvögeln muss man prüfen, ob es im Nest zu heiß ist, um ihn dorthin zurückzusetzen. Bei hohen Außentemperaturen kann es in Nestern unterm Dach oder im Freien 60 bis 80 Grad heiß werden. Dann das Tier lieber in einen dunklen Karton mit Luftlöchern (Löcher von innen nach außen durchstechen) an einen kühlen Ort bringen und eine Auffangstation kontaktieren.
- Ein junger Mauersegler am Boden braucht immer Hilfe, weil er nicht vom Boden losfliegen kann und auch nicht von seinen Eltern versorgt wird.

