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72-jährige Rentnerin mit Cannabis-Plantage erwischt – Urteil gefallen

Enzkreis. Zu einer Geldstrafe in Höhe von 90 Tagessätzen mal 40 Euro, also 3600 Euro, ist eine 72-jährige Rentnerin aus dem westlichen Enzkreis am Montag vor dem Amtsgericht Pforzheim verurteilt worden. Auch muss sie die Prozesskosten tragen.

Ihre Anwältin Natascha Roeder hatte auf Freispruch plädiert. Sie sei ihr Leben lang ein „Gutmensch“ gewesen, betonte die 72-Jährige mehrfach, habe sogar für einen anderen einen Kredit aufgenommen, den sie als Rentnerin zurückzahlen müsse. Während der Verhandlung hielt sich die Frau oft die Hände vor den Augen oder krampfhaft die vor ihr stehende Sprudelflasche fest. Sie habe einen großen Fehler begangen: „Es tut mir alles sehr leid.“

Zunächst war der Beschuldigten vorsätzlicher, unerlaubter Handel mit Betäubungsmitteln vorgeworfen worden. Doch dieser Aspekt erwies sich schnell als überzogen. Keinen Zweifel allerdings ließen der Vertreter der Staatsanwaltschaft in seinem Plädoyer und Richter Patrick Stemler in seinem Urteil, dass sich die geständige und die Tat bereuende Dame des unerlaubten Anbaus schuldig gemacht hatte.

Stemler unterstrich, dass ein vermeidbarer Verbotsirrtum vorliege, die Beschuldigte also sehr wohl hätte wissen können, dass in Deutschland auch der Anbau vergleichsweise kleiner Mengen strafbar sei. Im Gegenteil: Die Angeklagte könne sich sogar noch glücklich schätzen, dass – wenn auch knapp – keine sogenannte „nicht geringe Menge“ vorliege. Zwar seien keine Blüten zur hochkonzentrierten Produktion in dem vom Kriminalkommissariat Pforzheim aufgefundenen und beschlagnahmten Material vorgefunden worden, was auch in der vom Landeskriminalamt vorgelegten Untersuchung bestätigt wurde. Gleichwohl seien eben Blätter und Stängel beschlagnahmt worden und das zähle, so der Richter. Stemler nahm auch das Tatmotiv der 72-Jährigen zur Kenntnis, die angegeben hatte, für ihren krebskranken Ex-Mann ohne dessen Kenntnis mit Hilfe eines der Justiz unbekannten Täters aus der Schweiz bei sich zuhause die Pflanzen angebaut zu haben. Das Betäubungsmittel hätte später dazu dienen sollen, so die Beschuldigte, beim Erkrankten schmerzlindernd zu wirken. Den Richter setzte diese Begründung in Erstaunen: Für medizinische Zwecke, etwa bei der Schmerztherapie von Tumorpatienten, seien Marihuana-Präparate in Deutschland zugelassen. Da bedürfe es auch als Ausrede keiner illegalen Experimente.

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