Angeklagter aus Calw kommt unter strengen Auflagen frei: Gericht stellt nach Klappmesser-Angriff Schuldunfähigkeit fest

Calw. Vom Vorwurf des versuchten Totschlags mit einem Klappmesser ist ein afghanischer Flüchtling aus Calw wie erwartet als schuldunfähig freigesprochen worden. Überraschenderweise setzte die Strafkammer am Tübinger Landgericht die unbefristete Unterbringung des 22-Jährigen in der geschlossenen Psychiatrie sogar mit sofortiger Wirkung zur Bewährung aus. Das Gericht folgte damit dem Gutachter Stephan Borck.

Schon Staatsanwalt Sebastian Sonn hatte sich in seinem Plädoyer „mit Bauchschmerzen“ der Empfehlung des Psychiaters anschließen können. „Bauchschmerzen“ hatte auch Verteidiger Holger Böltz, weil er den Tötungsvorsatz seines Mandanten in Frage stellte. Er schloss sich dem Sachverständigen und dem Ankläger ansonsten aber an. In seiner Urteilsbegründung ging der Kammervorsitzende Christian Mezger entgegen den Äußerungen des Beschuldigten davon aus, der Asylbewerber habe bei der Attacke den Tod seines syrischen Schicksalsgenossen und Bekannten „billigend in Kauf genommen“. Die Überwachungskamera im Innern eines Handyladens hatte den Tathergang am Abend des 25. März 2021 zwar aus einiger Entfernung, aber sehr genau festgehalten. Danach muss der 2015 unbegleitet aus Afghanistan geflüchtete Bäcker-Azubi seinem syrischen Bekannten, der seine Friseurlehre abgeschlossen hatte – aber auch mutmaßlicher Cannabis-Lieferant war – vor dessen Wohnung am Hermann-Hesse-Platz aufgelauert haben.

Nachdem der etwas ältere Syrer aus dem Auto von Freunden gestiegen war, kam es zu einem Wortwechsel – wohl über eine vermeintliche Corona-Infizierung, schlechtes Marihuana und angeblich heimlich verabreichte Ecstasy-Pillen – und dann zu einem wischartigen Messerangriff auf die Kehle des Syrers. Weil der Attackierte zurückwich, erlitt er nur einen Riss am Hals. „Reines Glück“ nannte es der Richter, dass der Schnitt nicht tödlich war. Mehr über den Prozess gegen den Klappmesser-Angreifer aus Calw lesen Sie am Mittwoch, 29. September, in der „Pforzheimer Zeitung - Ausgabe Nordschwarzwald“ oder im E-Paper auf PZ-news.