760_0900_118493_AdobeStock_266748291.jpg
 Foto: Yanukit - stock-adobe.com (Symbolbild) 

Angeklagter erwähnt psychische Erkrankung erst in letzter Instanz: Berufung bleibt nach Urteil wegen sexuellen Missbrauchs

Pforzheim/Enzkreis. Entgegen der eindringlichen Empfehlung des Vorsitzenden Richters Andreas Heidrich, wollte der Angeklagte vor der auswärtigen großen Jugendkammer des Landgerichts Karlsruhe am Amtsgericht Pforzheim am Freitag seine Berufung nicht zurückziehen. Für das Rechtsmittel der Berufung hatte sich der 26-Jährige entschieden, nachdem er am 13. November 2018 wegen schweren sexuellen Missbrauchs einer 13-Jährigen in drei Fällen vor dem Jugendschöffengericht zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung verurteilt worden war.

Im Juni 2015 soll der damals 20-Jährige in seiner Pforzheimer Wohnung mehrfach Geschlechtsverkehr mit einem 13-jährigen Mädchen vollzogen haben. In der Folge soll es in zwei weiteren Fällen zu sexuellen Handlungen zwischen den beiden in einem Waldstück im westlichen Enzkreis gekommen sein, wie Heidrich eingangs erklärte. Dies sei einvernehmlich geschehen, das Amtsgericht habe damals das Jugendstrafrecht angewandt. Zudem habe der Angeklagte während der Hauptverhandlung ein umfassendes Geständnis abgelegt. Auch habe man sich auf einen Vergleich geeinigt. So muss der 26-Jährige Schmerzensgeld in Höhe von 2500 Euro an die Geschädigte zahlen.

Im Laufe der gestrigen Verhandlung hatte der Angeklagte seine diagnostizierte paranoide Schizophrenie beiläufig erwähnt. Von der psychischen Erkrankung hatte sein Verteidiger, Axel Schierholz, keinerlei Kenntnis: „Ich bin völlig überrascht, dass Sie Ihre Schizophrenie erst im Berufungsverfahren so beiläufig erwähnen“, sagte Schierholz nach der unvermittelten Offenbarung durch seinen Mandanten. Er verstehe nicht, dass er jetzt davon erfahre, immerhin würde mit der Erkrankung eine völlig andere Beurteilungsgrundlage für die Kammer bestehen.

Erst auf Nachfrage durch Richter Heidrich nach dem Gesundheitstand des Angeklagten, erwähnte dieser, dass er Medikamente zu sich nehme, nachdem bei ihm paranoide Schizophrenie diagnostiziert worden sei. „Ich glaube nicht an die Diagnose. Und sie ist auch viel zu überspitzt“, so der 26-Jährige. Er habe sich eine Zeit lang verfolgt gefühlt. Stimmen höre er jedoch nicht, auch habe er keine Dinge gesehen, die nicht wirklich existieren. Neuroleptika nehme er zweimal am Tag, die Dosis der Medikation sei vor kurzem erhöht worden.

„Ich würde die Berufung zurücknehmen“, sagte Heidrich. So könne laut Strafprozessordnung das Urteil zwar nicht zum Nachteil des Angeklagten verändert werden, eine mögliche Unterbringung in einer psychiatrischen Einrichtung aber nicht ausgeschlossen werden. Nach eingehender Beratung mit seinem Verteidiger sprach sich der 26-Jährige jdeoch gegen einen Rückzug aus. Daher wurde die Verhandlung ausgesetzt, bis ein Gutachten erstellt wurde.