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Den Bedenken der Bilfinger Bürger gegen eine Containersiedlung für Migranten direkt im Anschluss an die Wohnbebauung des Königbacher Weges, der zu den Schulen des Bildungszentrums führt (im Hintergrund), stellten sich vor Ort Kämpfelbachs Bürgermeister Udo Kleiner (rechts) und Hauptamtsleiter Thomas Huck (Dritter von rechts).   Martin Schott
Den Bedenken der Bilfinger Bürger gegen eine Containersiedlung für Migranten direkt im Anschluss an die Wohnbebauung des Königbacher Weges, der zu den Schulen des Bildungszentrums führt (im Hintergrund), stellten sich vor Ort Kämpfelbachs Bürgermeister Udo Kleiner (rechts) und Hauptamtsleiter Thomas Huck (Dritter von rechts). Martin Schott
11.10.2015

Asylpläne stoßen in Bilfingen auf Ablehnung

Ich bin ernüchtert über die Politik auf Landes- und Bundesebene“, sagt Kämpfelbachs Bürgermeister Udo Kleiner angesichts des Massenansturms von Flüchtlingen bei einem Treffen mit Bürgern in Bilfingen. „Es sind große Fehler gemacht worden. Die Politiker müssen erkennen, dass es mit dieser Zahl nicht weitergehen kann“, erklärt der Bürgermeister: „Ich habe das Gefühl, dass die Kommunen dies auf Dauer nicht schaffen werden.“

Im Kämpfelbacher Ortsteil Bilfingen und im Speziellen bei den Anwohnern der Steiner Straße und des Königsbacher Weges – direkt am Rad- und Fußweg, der von Ispringen bis zum Königsbacher Bildungszentrum führt – regt sich Widerstand gegen die geplante Errichtung des Containerlagers für Flüchtlinge. Erst vor Kurzem haben sie in dem kleinen Wohngebiet am Bilfinger Ortsrand gebaut. Jetzt hat der Gemeinderat bei seiner jüngsten Sitzung auf der Suche nach Unterbringungsmöglichkeiten für die der Gemeinde zugewiesenen Migranten diesen Standort ins Auge gefasst.

Mit den protestierenden Anwohnern aus der unmittelbaren Nachbarschaft hat sich Kleiner nun getroffen, um die Lage vor Ort zu besprechen. „Ich habe vollstes Verständnis für ihre Situation“, versicherte der Schultes den unmittelbar betroffenen Bürgern. Allerdings sei die Gemeinde verpflichtet, die zugewiesenen Flüchtlinge aufzunehmen. „Wir werden als Gemeinde genötigt, solche Entscheidungen zu treffen“, bringt Kleiner die schwierige Lage der Bürgermeister auf den Punkt. „Egal wo, es werden Bürger da sein, die sich zu Recht dagegen wehren“, beschreibt der Schultes die Schwierigkeit der Standortsuche beim Gespräch mit den Anliegern. Der Gemeinderat habe sich bei der Standortwahl von Sachkriterien, wie Wasser- und Abwasseranschluss sowie Randlage leiten lassen, dafür verbürge er sich, erklärte Kleiner auf die Frage, was zur Auswahl dieses Standortes geführt habe.

Nicht nur die unmittelbaren Anlieger sahen den Standort beim Ortstermin dagegen als besonders problematisch. Er liegt direkt am gerade von Schülern viel genutzten Rad- und Fußweg zum Königsbacher Bildungszentrum. Der wird auch von zahlreichen Erholungssuchenden und Senioren gerne genutzt. Allein in dem runden Dutzend Häuser am Königsbacher Weg und der Steiner Straße leben fast 25 Kinder. „Können wir unsere Kinder weiterhin bedenkenlos vor dem Haus spielen lassen?“, so eine der drängenden Fragen angesichts der drohenden Containerunterkunft. Immerhin sei das Wohngebiet eigens für „Junges Wohnen“ beworben worden.

Kritisiert wurde auch, dass die Anwohner in Sachen Standortsuche im Vorfeld der Gemeinderatssitzung nicht speziell informiert worden seien. Verwunderung herrscht auch darüber, wie es bauplanungsrechtlich sein könne, dass man auf seinem eigenen Grundstück kein Gartenhäuschen errichten dürfe, eine Containersiedlung in direkter Nachbarschaft jedoch zulässig sei. Die Anwohner fürchten eine Ghettoisierung, einhergehend mit Gewalt, auch und gerade gegen Frauen und hohe Lärmbelästigung.

„Wir werden ihre Ängste in Richtung Landratsamt und Polizei kommunizieren“, versprach Kleiner den Anwohnern. Auch im Kämpfelbacher Ortsteil Ersingen formiert sich derzeit Protest gegen die ins Auge gefasste Nutzung des Bolzplatzes in der Laubigstraße zur Aufstellung von Wohncontainern.