Für den Schutz seltener Arten werden Bäume gefällt, Lebensräume verlagert und neue Wiesen geschaffen. In Dobel zeigt sich, wie widersprüchlich Naturschutz manchmal sein kann.
Eine Kolumne von PZ-Redakteurin Carolin Weiss
Eigentlich ist Dobel eine Insel der Glückseligen: saftig grüne Wiesen und Wälder, ein großes Wegenetz zum Wandern, einzigartige Aussichten und nicht zu vergessen die gute Luft. Doch genau diese Vorzüge sind es, die es den Bewohnern auch immer wieder schwer machen. Denn um ihre Natur zu schützen, müssen die Dobler so einige Auflagen erfüllen. Bei fast allem, was der Gemeinderat beschließen und weiterentwickeln will, heißt es irgendwann: Stopp, Naturschutz! Auch in dieser Woche ging es darum. Zum Beispiel bei der Ausgleichsfläche, die für den Neubau des Netto-Supermarktes geschaffen werden muss.


Kuriose Fällarbeiten in Dobel: 150 Fichten fallen für den Naturschutz
Dafür wurden, wie berichtet, 150 Fichten gefällt. Denn aus dem kleinen Waldstück muss eine Mähwiese werden – so die Auflage aus dem Landratsamt. „Ich finde es immer noch Schwachsinn. Was ist mit den Tieren, die in den jahrzehntelang gewachsenen Bäumen gelebt haben? Die Vögel, Raupen und Falter?“, fragte Martina Naumann, Gemeinderätin der Fraktion pro Dobel. Auf der neu geschaffenen Mähwiese soll dann der Dunkle Wiesenknopf-Ameisenbläuling, ein Schmetterling, der derzeit neben dem Supermarkt wohnt, eine neue Heimat finden. Kurz darauf ging es in der Sitzung wieder um den Naturschutz. Damit Dobel wie gefordert einen neuen Bauhof errichten kann, müssen Untersuchungen zum Artenschutz auf einer Fläche an der Horntannhalde durchgeführt werden, die für den Neubau in Frage kommt.


Netto-Neubau in Dobel: Jetzt geht’s endlich los
Doch was passiert, wenn hier nun herauskommt, dass auf der für den Bauhof vorgesehenen Fläche Fichten gerodet werden müssten? Werden die dann auf der neu geschaffenen Mähwiese zwischen Wasserturm und Brenntenwaldsiedlung wieder gepflanzt? Und wie erfahren die Tiere, wo sie künftig leben? Vielleicht braucht Dobel bald keine Wanderkarten mehr, sondern einen Umzugsplan für Flora und Fauna – natürlich sorgfältig abgestimmt mit dem Naturschutz.

