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Rund ein Jahrzehnt muss ein Bankräuber, der eine Sparkasse in Kraichtal überfallen hatte, in einem türkischen Gefängnis (unser Symbolbild zeigt das Gefängnis in Antalya) einsitzen. Er war mit dem Ausweis seines Brudetrs in die Türkei geflüchtet.
Rund ein Jahrzehnt muss ein Bankräuber, der eine Sparkasse in Kraichtal überfallen hatte, in einem türkischen Gefängnis (unser Symbolbild zeigt das Gefängnis in Antalya) einsitzen. Er war mit dem Ausweis seines Brudetrs in die Türkei geflüchtet. © dpa
18.03.2011

Bankräuber flüchtet in Türkei und landet dort im Knast

KRAICHTAL. Die Welt ist klein und der Arm des Gesetzes lang. Das musste jetzt ein inzwischen 30-jähriger türkischer Staatsangehöriger erfahren. Der hatte hierzulande eine Sparkasse überfallen, war dann mit falschen Papieren in die Türkei geflüchtet, lebte dort einige Zeit lang frei und unbehelligt und bekommt nun aber als Quittung dafür ein Jahrzehnt Aufenthalt in einem türkischen Gefängnis. In Deutschland wäre er vor Gericht wohl günstiger weg- und im Knast komfortabler untergekommen.

Wie Staatsanwaltschaft und Polizeipräsidium Karlsruhe mitteilten, hatte der in Bruchsal geborene und aufgewachsene Beschuldigte im April 2006 mit einer Pistole bewaffnet die Sparkasse in Kraichtal-Unteröwisheim überfallen und mehrere Tausend Euro erbeutet. Obwohl die Ermittlungsbeamten der Kriminalaußenstelle Bruchsal den Täter seinerzeit bereits wenige Stunden nach der Tat identifizieren konnten, gelang diesem noch vor dem polizeilichen Zugriff mit dem Ausweis seines Bruders die Flucht in die Türkei. Dort wähnte er sich offenbar vor den deutschen Ermittlungsbehörden sicher.

Nicht gerechnet hat er allerdings mit dem Spürsinn und der Hartnäckigkeit der Bruchsaler Kriminalpolizei und den Möglichkeiten der Staatsanwaltschaft. Während die Ermittler den Fluchtweg und Aufenthaltsort in akribischer Kleinarbeit nachvollziehen konnten, übersandte die Staatsanwaltschaft Karlsruhe die kompletten Ermittlungsakten an die türkischen Justizbehörden. Die übernahmen die Strafverfolgung gegen ihren eigenen Staatsangehörigen. Nach erfolgter Festnahme im Jahr 2009 wurde der Beschuldigte mittlerweile wegen Bankraubs zu einer Freiheitsstrafe von acht Jahren und vier Monaten verurteilt.

Das hätte er in Deutschland wohl günstiger haben können, zumal die Aufenthaltsqualität in einem türkischen Knast eher bescheiden sein dürfte. Aber der Bankräuber erhielt noch einen Nachschlag: Weil der Flüchtige mit dem Ausweis seines Bruders in die Türkei eingereist war und dort einige Jahre unter falschen Personalien lebte, brachte ihm das eine weitere Haftstrafe von einem Jahr und acht Monaten ein. pol