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Notdürftig geflickt: der Rückspiegel eines Autos, den der Angreifer in Singen abgetreten hatte. 

Bedrohlich: Autofahrer mitten in Singen wie aus dem Nichts attackiert

Remchingen-Singen. „Das war unheimlich bedrohlich“, schildert ein Singener das, was er und andere Autofahrer am Dienstagabend in dem Remchinger Ortsteil erlebt hatten. Kurz vor 19 Uhr sei er mit seinem Fahrzeug durch die dunkle Blumenstraße gefahren – sehr langsam, weil ein provisorisches Verkehrszeichen offenkundig auf die Fahrbahn gekippt worden war. Plötzlich sei eine Gestalt aus einem Innenhof auf sein Auto zugekommen und habe unvermittelt gegen die Fahrzeugseite und dann mit Wucht gegen den Rückspiegel getreten.

„Als noch eine zweite Person auf die Straße zukam, wurde mir das viel zu brenzlig“, sagt der Mann, „ich habe Gas gegeben und bin weg.“

Nur eine kurze Strecke entfernt traf der Mann auf andere Verkehrsteilnehmer, die ihm von Attacken berichteten. In einem Fall habe der Randalierer mit der Faust auf die Windschutzscheibe eingeschlagen, bei einem anderen Auto sei er auf die Motorhaube gesprungen. Zum Glück, sagt der Mann, sei die alarmierte Polizei sehr schnell da gewesen. Vier Streifenwagen seien in die Wohnstraße in Singen geeilt, bestätigt Polizeisprecherin Anna-Katrin Morlock auf PZ-Anfrage. Die Beamten hätten den Verantwortlichen für die Angriffe in einem 21-jährigen Iraner schnell ermittelt. Hintergrund sei offenbar ein Streit des jungen Mannes mit seinem Vater gewesen. Auch Alkohol war demnach im Spiel. „Am Ende ist der 21-Jährige ausgetickt“, so die Sprecherin. Die Polizei wisse derzeit von drei beschädigten Autos. Nach einer Anzeige müsse sich der junge Mann wegen Sachbeschädigung verantworten.

Der Angreifer lebt in einem Haus, in dem laut Remchingens Kämmerer Gerd Kunzmann neben anderen Mietern derzeit 15 Flüchtlinge in Anschlussunterbringung wohnen. Das aggressive Verhalten könnte wohl Konsequenzen für den Täter haben, so Kunzmann. „Der Fall wird jetzt zunächst geprüft.“ Bei Konflikten würden die Menschen üblicherweise in einem anderen Haus untergebracht. Er betont, dass sich ein derartiger Vorfall bisher noch nie ereignet habe. Es gebe zwar immer wieder Probleme unter den insgesamt 154 Flüchtlingen, die in diversen Unterkünften in der Gemeinde leben. Dabei gehe es aber hauptsächlich ums Zusammenleben, etwa um Ärger über nächtlichen Lärm, so der Kämmerer.

Bei den attackierten Autofahrern bleibt fürs erste aber ein mulmiges Gefühl. Und Zorn über die Schäden. Seinen abgetretenen Spiegel und Kratzer an der Tür hätte seine Werkstatt auf 2000 Euro taxiert, sagt ein Mann.