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Schwer in Mitleidenschaft gezogen wurde auch dieses landwirtschaftliche Anwesen beim Luftangriff auf Nußbaum am 20. März 1944.  Foto: Dietrich, Archiv 
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Junge Trümmerfrauen räumten den Bauschutt nach dem Luftangriff auf Nußbaum weg – trotz der dramatischen Umstände zumindest auf dem Bild gut gelaunt.  Foto: Dietrich, Archiv 
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Gustav Sulzers zerstörtes Haus: Davor erlitt ein Mann tödliche Verletzungen.  Foto: Dietrich, Archiv 

Bomben auf Nußbaum: Vor 75 Jahren kam das Grauen aus der Luft

Neulingen-Nussbaum. Das Feuer der Flak, der Flugabwehrkanonen, tobte in den Mittagsstunden des 20. März 1944 heftig im Karlsruher Raum. Ein Luftangriff traf damals gegen zwölf Uhr auch das kleine Dorf Nußbaum. Ratschreiber Kurt Gaus berichtete später, dass er sich auf die Treppe des Rathauses begab, weil Flugzeuge zu hören waren. Ein Nachbar sagte zu ihm: „Mach, dass du weggehst!“ Dann schlugen die ersten Sprengbomben ein. Schwarzer Rauch stieg auf. Der anfliegende Verband bestand aus zwölf bis 15 Flugzeugen. Abgeworfen wurden rund 30 Sprengbomben mittleren Kalibers und rund 120 Brandbomben. Überall brannten Gebäude, hauptsächlich Scheunen.

Landwirt Robert Lansche, Witwer und Vater von sieben Kindern im Alter zwischen knapp zwei und 13 Jahren, war mit seinem Fuhrwerk auf dem Nachhauseweg. Als er in der Nähe des Anwesens von Gustav Sulzer war, auf das eine Sprengbombe niederging, wurde Lansche von Bombensplittern schwer verletzt. Er erlag zwei Tage später seinen Verwundungen. Von nun an zog Tante Hedwig Kugler die sieben Kinder auf. Sulzers Frau Lina und Sohn Reinhard hatte es beim Bombentreffer aus dem Haus ins Freie geworfen. Sie überlebten wie durch ein Wunder. An den Folgen der Verletzungen leidet Reinhard Sulzer bis heute.

Auch der Landwirt Gottlieb Schabinger erlitt Bombensplitter-Verletzungen. Er starb am 10. April 1944. Emma Schabinger stand alleine mit der großen Landwirtschaft da, bis Sohn Adolf, ein äußerst tüchtiger Landwirt, aus dem Krieg nach Hause zurückkehren konnte. Der 94-Jährige ist heute der älteste Einwohner Nußbaums. Zwei schwere Menschenschicksale in Nußbaum, mit denen die Familien erst einmal fertig werden mussten. Acht weitere Personen wurden teils schwer verletzt. Für die Dorfbewohner war es ein Glück, dass kein Luftalarm mehr hatte gegeben werden können. Denn in dem zum Schutz für 30 Personen eingeplanten gewölbten Keller vor der Dorfschmiede und in das Haus des Jakob Fretz schlug eine Sprengbombe ein, die den Bunker völlig zerstörte. Niemand hätte dort überleben können.

Den Verwundeten leistete die Landärztin Dr. Waltraud Burr aus Bauschlott Erste Hilfe. Im Pfarrhaus wurde ein kleines Lazarett eingerichtet. Unter Leitung von Pfarrersfrau Hilde Goos wurden die Verletzten durch Schwesternhelferinnen vom örtlichen Badischen Frauenverein versorgt.

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