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Thomas Berner und Diana Meichel von der Bürgerinitiative gegen den Bebauungsplan „Mühlacker Straße“ gratulieren sich nach der Bekanntgabe des Ergebnisses in der Wiernsheimer Lindenhalle zu dem Erfolg.  Foto: Fotomoment 
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1.603 Wiernsheimer sprachen sich Ende Juni gegen den Bebauungsplan „Mühlackerstraße“ aus. Jetzt verlässt eine der Initiatorinnen des Bürgerentscheids die Gemeinde - und das stößt so manchem sauer auf. Archiv foto: Prokoph 

Bürgerentscheid in Wiernsheim zu Neubaugebiet: Hohe Wahlbeteiligung und klares Votum

Wiernsheim. Bis zuletzt war nicht wirklich absehbar, wofür sich die Wiernsheimer beim Bürgerentscheid aussprechen werden. Für ein weiteres Neubaugebiet? Oder doch gegen den Verbrauch landwirtschaftlicher Flächen? Mit Spannung wurde am Sonntagabend in der Lindenhalle daher das Ergebnis der Auszählung erwartet. Um 19.30 Uhr gab Bürgermeister Karlheinz Oehler vor rund 80 Zuhörern bekannt: Auf der Ackerfläche am Ortsrand von Wiernsheim in Richtung Pinache wird kein weiteres Neubaugebiet entstehen, die Fläche bleibt Ackerland.

Die Frage auf dem Stimmzettel lautete: „Sind Sie dafür, den Gemeinderatsbeschluss vom 20. November 2019 zur Aufstellung eines Bebauungsplans ,Mühlackerstraße‘ aufzuheben?“ Das Ergebnis der Auszählung ist knapp: 1603 Bürger (58, 2 Prozent) stimmten für „Ja“ und sprachen sich damit gegen ein geplantes Baugebiet aus. 1151 (41,8 Prozent) sagten „Nein“ und setzten damit ebenfalls ein eindeutiges Zeichen – nämlich für ein weiteres Wachstum der Gemeinde. Das Quorum wurde damit erreicht, der Bürgerentscheid hat eine wenn auch knappe, aber klare Entscheidung hervorgebracht.

Die Wahlbeteiligung war mit 51 Prozent relativ hoch. Das wurde bereits beim Leeren der Briefwahlurne am Sonntagnachmittag im Rathaus deutlich. Erste Hochrechnungen im Teilort Serres ergaben bereits um 14 Uhr eine Wahlbeteiligung von über 40 Prozent. Bei 720 Wahlberechtigten aus Serres hatten 203 Briefwahl beantragt und um diese Zeit schon 102 Bürger ihre Stimme abgegeben. Insgesamt durften 5412 Wahlberechtigte ab 16 Jahren aus Serres, Pinache, Iptingen und Wiernsheim an die Urnen treten. Von diesem Recht machten 2762 Menschen Gebrauch.

Die Auszählung der Stimmen hat sich am Abend der Entscheidung hingezogen und sorgte damit für eine umso größere Spannung in der Lindenhalle – statt um 19.30 Uhr konnte Wiernheims Bürgermeister Karlheinz Oehler das Ergebnis erst gegen 20.30 Uhr bekanntgeben „An dieser Stelle gratuliere ich den Initiatoren der Bürgerinitiative“, sagte Oehler, nachdem er verkündete, dass sich die Bürger mehrheitlich gegen den Gemeinderatsbeschluss entschieden haben. Die BI-Initiatoren und Räte der Fraktion Liste Land klatschten und jubelten nach der Verkündung und hatten zum Anstoßen auch eine Flasche Sekt dabei. Was mit der 2,4 Hektar großen Fläche geschehen soll, wurde in den vergangenen Wochen und Monaten heiß diskutiert, das Thema spaltete sogar den Gemeinderat. Konkret geht es um die Frage, ob Ackerland weichen soll, damit ein neues Baugebiet erschlossen werden kann.

Den Bürgerentscheid hatte eine Bürgerinitiative (BI), unterstützt von den Gemeinderäten der Liste „Land“, mit der Sammlung von über 700 Unterschriften angestrengt. Sie wollen unnötigen Flächenverbrauch verhindern und sind der Meinung, dass die wertvollen Ackerbauflächen im Bereich der „Mühlackerstraße“ nicht für die Wohnbebauung geopfert werden dürften. Vielmehr sollten dafür Baulücken im Ort geschlossen werden, wozu jedoch nur wenige Grundstücksbesitzer zu bewegen sind. Die Befürworter des Neubaugebiets – darunter der Großteil des Gemeinderats und Bürgermeister Oehler – sehen damit allerdings nur die Interessen der Landwirtschaft vertreten, nicht aber die vieler Familien aus der Gemeinde, die nach Bauplätzen suchen. „Wir brauchen unbedingt weiteres Bauland“, ist zum Beispiel auch der 29 Jahre alte Wiernsheimer Marc Esenwein überzeugt. Auch er hatte am Sonntagnachmittag seine Stimme abgegeben.