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Sammeln weiter wissenschaftliche Argumente gegen Windenergie: Kritische Bürger wie Jürgen Falkenberg, Christel Olivier, Heinz Hummel oder Ingo Zerrer (von links) von „Gegenwind Straubenhardt“. Auf die Haltung von Behörden und Verbänden zu ihren Anstrengungen blicken sie mittlerweile ernüchtert.
Sammeln weiter wissenschaftliche Argumente gegen Windenergie: Kritische Bürger wie Jürgen Falkenberg, Christel Olivier, Heinz Hummel oder Ingo Zerrer (von links) von „Gegenwind Straubenhardt“. Auf die Haltung von Behörden und Verbänden zu ihren Anstrengungen blicken sie mittlerweile ernüchtert.
31.03.2017

Bürgerinitiative „Gegenwind Straubenhardt“ wehrt sich weiter gegen Windpark

Der Boden für elf Windräder im Wald zwischen Straubenhardt, Dennach, Neusatz und Dobel (siehe Grafik) ist bereitet. Buchstäblich. Nach den Rodungen an den geplanten Standorten, seien die Wurzelstumpfen dran, sagt Heinz Hummel, der Vorsitzende der kritischen Bürgerinitiative „Gegenwind Straubenhardt“.

Und das zerstöre guten Waldboden. Der Dennacher will mit seinen Mitstreitern auch nach den entscheidenden Windpark-Genehmigungen weiterkämpfen – auch, weil die Bürgerinitiative in Abrede stellt, dass dem Waldverlust tatsächlich nennenswerte Vorteile für den Klimaschutz gegenüberstehen. Die Kritiker wissen dabei, dass der Investor Wirsol, der das ganz anders sieht, nach langem Planverfahren auf eine schnelle Verwirklichung des Windparks drängt.

Der PZ geben Hummel, Christel Olivier, Jürgen Falkenberg und Ingo Zerrer einen Einblick in die Argumente, die sie gegen die Windenergie zusammentragen. Indem sie Windprognosen gegenrechnen zum Beispiel. Vorhersagen von Durchschnittswerten von über sechs Metern pro Sekunde über Straubenhardt? So starker Wind wäre für einen wirtschaftlichen Park tatsächlich nötig. Doch die Initiative glaubt nicht, dass der Wind stärker weht als auf der 1164 Meter hohen Hornisgrinde. Messwerte der Wetterstation Dobel sprächen hochgerechnet eher dafür, dass nur rund 5,5 Meter pro Sekunde realistisch seien – passend zum Windatlas des Landes.

Für ihre intensive Beschäftigung mit der Windkraft ernten die Bürger ausdrücklich den Respekt vom Ersten Landesbeamten des Enzkreises, Wolfgang Herz. Doch die Initiative blickt ernüchtert auf das Landratsamt und andere Behörden. Der Kreis hatte im Dezember die Genehmigung für den Windpark erteilt. Bei den Prüfungen dafür gehe es nicht grundsätzlich um Für oder Wider die Windkraft, sondern alleine um die Frage, ob der Antrag der Rechtslage genügt, sagt Herz. Für die Bürgerinitiative stellt sich das anders dar: „Wenn ein solches Verfahren einmal gestartet worden ist, geht es bei all den vielen Untersuchungen nicht mehr darum, ob das gemacht wird, sondern nur noch, wie man es möglich machen kann“, sagt Ingo Zerrer.

Heinz Hummel ist auch über die Kommunikation sauer. Am 25. November habe die Initiative beim Landratsamt beantragt, die Unterlagen fürs Genehmigungsverfahren einsehen zu dürfen. „Damals haben wir das Signal mitgenommen, dass wichtige Fragen noch geklärt werden müssten und alles noch daure“, so der Dennacher. Doch die 278 Seiten starke Genehmigung war schon zweieinhalb Wochen später fertig.

Auf der anderen Seite hat der Enzkreis den Investoren auch viele Auflagen gemacht, auf die sich die Bürgerinitiative nun stützt. Zum Beispiel bei zwei Anzeigen wegen möglicher Verstöße gegen Bundesnaturschutz- und Artenschutzgesetz bei den Windpark-Rodungen. Zum einen sei ein Baum mit Vogelhorst gefällt worden, zum anderen habe man die Bruthöhle eines Sperlingskauzes versiegelt. Die Abteilung Gewerbeüberwachung und Umweltschutz des Polizeipräsidiums Karlsruhe ermittle seitdem, so Polizeisprecher Fritz Bachholz. Mit einem Ergebnis rechnet er in vier bis sechs Wochen.

Die Bürger behalten sich auch den Weg ans Verwaltungsgericht vor, wenn ihre Widersprüche gegen die Windparkgenehmigung von den Behörden zurückgewiesen werden. Allerdings: Nur ein Eilverfahren könnte den Windparkbau ausbremsen, bis solche Urteile fallen. Und für ein Eilverfahren liegt dem Verwaltungsgericht Karlsruhe bislang nur ein Antrag der Gemeinde Dobel vor. Neuenbürg will laut Bürgermeister Horst Martin einen anderen Weg des Widerstands gehen. Mit einer Petition versucht die Stadt zu erreichen, dass für einige der Windräder andere Standorte auf dem Neuenbürger Heuberg als Alternativen berücksichtigt werden. Dann könne man den Abstand der Anlagen von Wohngebieten um rund 150 Meter vergrößern.