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In der Abgeschiedenheit des Waldes wohnen die Menschen auf der Charlottenhöhe. Im Winter wird der Weg nach Schömberg schwierig. Eschwey

Charlottenhöhe Schömberg: Anwohner fühlen sich abgehängt

Bei den Anwohnern der Schömberger Charlottenhöhe macht sich Enttäuschung breit: Im Winter werden sie ihre Einfamilienhäuser auf dem ehemaligen Klinikgelände wohl nur über Calmbach erreichen können. Denn die Gemeinde hält an ihrem Beschluss fest, bei Eis und Schnee nur diese Zufahrt zu räumen. Der direkte Weg nach Schömberg ist dann nicht befahrbar. „Besonders für die Kinder, die in Schömberg zur Schule gehen, bedeutet das einen riesigen Umweg“, meint Heidi Schmid.

Die Urologin gehört zu den 13 Anwohnern, darunter vier Kinder, die in den ehemaligen Häusern der Klinikleitung leben. Sie wohnt seit 13 Jahren in dem abgelegenen Waldstück – damals scheiterten die Pläne, aus der ehemaligen Lungenklinik ein Altenpflegeheim zu machen. Ein Grund war übrigens die holprige Verbindungsstrecke nach Calmbach. Der damalige Eigentümer dachte bereits über eine bessere Anbindung nach Schömberg nach, aber daraus wurde nichts. Die Anwohner können nicht nachvollziehen, dass sie im Winter praktisch von Schömberg abgeschnitten sind, meint Heidi Schmid. „Schließlich gehören wir zu Schömberg und nicht zu Calmbach“, so die Urologin, die in den Enzkreis Kliniken Neuenbürg arbeitet. Deshalb müsse die Gemeinde den Anschluss zu Schömberg sichern – auch im Winter. „Der Weg zu den Teilorten wird ja auch geräumt“, argumentiert Schmid.

Schömbergs Hauptamtsleiterin Evelyn Foerster räumt ein, dass die Charlottenhöhe ein „sehr schwieriges Thema“ sei. Aber sie betont: „Das Gebiet war noch nie von Schömberg aus erschlossen.“ Zu Zeiten der Lungenklinik, als der gesamte Komplex in Landesbesitz war, sei das jedoch nie ein Problem gewesen: Das Land hat für die Räumung der Straße selbst gesorgt. Die Verbindungsstrecke sei nach wie vor eine Privatstraße, auf der die Gemeinde nicht für die Schnee-Räumung zuständig sei. Das gelte im Übrigen nicht nur für die Charlottenhöhe, sondern auch für andere Straßen im Ort, betont Foerster.

„Lage hat Vor- und Nachteile“

Einige Jahre haben die wenigen Anwohner das Schneeräumen auf eigene Kosten in Auftrag gegeben, dann drängten sie auf eine Lösung mit der Gemeinde. Im vergangenen Jahr wurde tatsächlich von Schömberg aus geräumt – eine Übergangslösung, wie die Hauptamtsleiterin betont. Die Gemeinde habe sich um einen dauerhaften Weg bemüht, die Charlottenhöhe im Winter nicht abzuhängen – dabei ging es auch um die Zufahrt für die Feuerwehr. Von Schömberg aus sei die Anfahrt im Winter einfach zu schwierig. Foerster: „Diese Lösung war nicht verkehrssicher.“ Jetzt wurde ein Vertrag mit Bad Wildbad geschlossen: Von Oktober bis März sind die Floriansjünger der Nachbarkommune für die Charlottenhöhe zuständig. Demzufolge wird auch genau dieser Weg von Schnee und Eis befreit. Auch Notarzt und Müllabfuhr benutzen übrigens diese Route. Für die andere Strecke müsse im Zweifelsfall wieder ein privater Räumdienst beauftragt werden, meint die Hauptamtsleiterin und ergänzt: „Diese Wohnlage mitten im Wald hat eben Vor- und Nachteile.“

Die Anwohner wollen dennoch nicht aufgeben, wie Heidi Schmid betont. Sie haben einen Brief an die Gemeinde geschrieben und würden gerne noch einmal über die Sache sprechen. Ihre Vorstellung: Die Gemeinde gibt die Räumung in Auftrag und die Anwohner beteiligen sich an den Kosten. Die Gemeinde hat mittlerweile geantwortet. Dabei sei auch ein Gespräch angeboten worden, so Hauptamtsleiterin Evelyn Foerster. Allerdings fügt sie hinzu: „Unsere Haltung ist unverändert.“