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Weltoffenheit bewiesen haben zahlreiche Remchinger nach dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Singen. Nun hofft das „Netzwerk Asyl“ auf Unterstützung von Ehrenamtlichen.
Weltoffenheit bewiesen haben zahlreiche Remchinger nach dem Brandanschlag auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Singen. Nun hofft das „Netzwerk Asyl“ auf Unterstützung von Ehrenamtlichen.
Als Gesamt-Remchinger Aufgabe sehen der Wilferdinger Dieter Walch, der Singener Jan Rabe und der Nöttinger Peter Farr (von links) die geplante Flüchtlingsunterkunft im Ortsteil Darmsbach. Alle drei sind Vertreter des Remchinger „Netzwerks Asyl“   Zachmann
Als Gesamt-Remchinger Aufgabe sehen der Wilferdinger Dieter Walch, der Singener Jan Rabe und der Nöttinger Peter Farr (von links) die geplante Flüchtlingsunterkunft im Ortsteil Darmsbach. Alle drei sind Vertreter des Remchinger „Netzwerks Asyl“ Zachmann
Der Darmsbacher Bürgervereins-Vorsitzende Stefan Szabó.
Der Darmsbacher Bürgervereins-Vorsitzende Stefan Szabó.
11.10.2015

Darmsbach: Flüchtlingsunterkunft beschäftigt Bürger

Ein Brief, den man nicht so einfach beiseitelegt: Am Freitagmorgen informierte Bürgermeister Luca Wilhelm Prayon die 528 Darmsbacher Bürger als Erste darüber, dass das Landratsamt noch bis Ende dieses Jahres auf dem „Piepenbrock-Gelände“ eine provisorische Notunterkunft für bis zu 312 Flüchtlinge einrichten will – und damit die bisher größte im Enzkreis.

„Das beschäftigt die Leute im Dorf enorm“, stellte der Vorsitzende des Darmsbacher Bürgervereins Stefan Szabó am Wochenende fest – ob beim Gespräch auf der Straße, im Bürgersaal oder in ununterbrochenen Telefonaten, die er dieser Tage bekomme. Ganz klar betont Szabó: „Ich und auch wir im Bürgerverein stehen grundsätzlich dahinter, dass Menschen nach Darmsbach kommen, dass sie im Verein mitmachen und dass wir sie integrieren, wenn sie wollen.“ So habe sich der Verein – geprägt durch die positive Immigration von Übersiedlern vergangener Jahrzehnte – durchaus schon Gedanken zur aktuellen Asylsituation gemacht. Gedanken, wie man zehn, vielleicht auch zwanzig, dreißig oder fünfzig Flüchtlinge aufnehmen könnte.

Aber mehr als 300? „Das Schlimme für uns ist die Anzahl und die Art und Weise, wie das vonstatten geht“, sagt der bereiste Handelsvertreter Szabó und verleiht mit Blick auf die Situation in anderen Massenunterkünften seiner und der Angst vieler Bürger Ausdruck, „Mit 60 hätte niemand ein Problem gehabt. Aber 300 – die Hälfte aller Einwohner – das sind einfach zu viele. Das ist nicht richtig, einfach über den Kopf der Bevölkerung hinweg so etwas zu entscheiden.“ Zu Recht hätten sich die Remchinger nach dem Brand der geplanten Asylunterkunft in Singen als weltoffen ausgewiesen – „Jetzt müssen wir zeigen, ob wir dem gewachsen sind“, so Szabó.

„Jetzt ist die Aufgabe da und wir nehmen sie an – und zwar als Gesamt-Remchinger Aufgabe. Wir lassen die Darmsbacher nicht allein“, sagt Dieter Walch. Der Wilferdinger engagiert sich im Remchinger „Netzwerk Asyl“ und verdeutlicht, dass sich der Brief vom Freitag eben nicht nur an die 500 Darmsbacher, sondern öffentlich in Medien und übers Internet an alle 12 000 Remchinger gerichtet hat.

Auch die Netzwerk-Mitglieder Peter Farr aus Nöttingen und Jan Rabe aus Singen wissen um die wichtige Funktion des Netzwerks unter dem Dach der Gemeinde, das sich unter anderem in Sprachkursen, Begleitungen und Hilfestellungen um die bereits 50 in Remchingen lebenden Flüchtlinge kümmert. Sie haben sich vorbereitet auf eine größere Zahl – wobei sie eine derart große Herausforderung nun doch überrasche: „Aber der Fall ist eingetreten und wir können Remchingen zeigt Flagge in die Tat umsetzen.“ Ganz bewusst lädt das Netzwerk daher auch alle interessierten Helfer aus allen Ortsteilen zur Informationsveranstaltung von Landratsamt und Gemeinde am Mittwoch, 14. Oktober, um 19 Uhr in der ehemaligen Fertigungshalle in der Darmsbacher Kapellstraße ein.

„Das können ganz vielfältige Formen von Mithilfe sein, Patenschaften vor Ort oder einfach ein Willkommensgruß, ob als Einzelner, in der Gemeinschaft oder als Verein“, ermutigt Rabe. Peter Farr habe beispielsweise beim Sprachunterricht mit Kindern und Jugendlichen festgestellt, wie wirksam ein paar Worte und Zuneigung sein können. Bezüglich Sachspenden wolle das Netzwerk zunächst weitere Informationen vom Landratsamt abwarten. Neben der Veranstaltung am Mittwoch solle demnächst ein weiterer Abend allen Bürgern die Möglichkeit bieten, sich gemeinsam über Formen des Ehrenamts zu informieren und Erfahrungen auszutauschen.

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